Eingestellt am 3. September 2014 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markteinschätzung

Zu hohe Erwartungen an EZB im September

Am kommenden Donnerstag (04.09.) wird die Europäische Zentralbank ihre monatliche Pressekonferenz in Frankfurt abhalten. Die Erwartungen der Marktteilnehmer sind nach den Äußerungen von EZB Präsident Mario Draghi in Jackson Hole hoch und drohen, vorerst enttäuscht zu werden.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Hintergründe: Die Eurozone kämpft mit sehr niedrigen Inflationsraten und angesichts der wirtschaftlichen Schwäche könnte sich die Situation noch weiter zuspitzen. Die große Gefahr ist der flächendeckende Ausbruch einer Deflation in der Eurozone, diese würde die Wirtschaft stark belasten. Angesichts der hohen Schulden und Arbeitslosenquoten vieler Euroländer würden sich aus einem solchen Szenario große soziale und politische Risiken ergeben. Auch wenn das Szenario nicht wahrscheinlich ist, stieg das Risiko in den letzten Monaten deutlich an.

JGA

Was kann also getan werden? Die EZB ist als Zentralbank für die Preisstabilität in der Eurozone verantwortlich und strebt ein Inflationsziel von 2 Prozent an. Angesichts der Herausforderungen, mit denen die Geldpolitik sich derzeit konfrontiert sieht, wurde in erster Instanz der Leitzins auf das aktuelle Rekordniveau von 0,15 Prozent gesenkt. Doch leider ist das Problem der Eurozone nicht mit Zinssenkungen zu beheben. Die Niedrigzinspolitik kommt nicht dort an, wo sie benötigt wird – bei den Unternehmen und Haushalten der Eurozone. Der Grund ist der gestörte Transmissionsmechanismus. Dieser ist normalerweise dafür verantwortlich, dass die Gelder, welche die EZB den Banken zur Verfügung stellt, auch zu den niedrigen Zinsen, die von der EZB angeboten werden, in der Realwirtschaft ankommen. Für diese Störung sind verschiedenen Faktoren verantwortlich (Regulierung, Kreditausfälle, etc.). Im Ergebnis geben viele Banken die niedrigen Zinsen nicht in Form von Krediten weiter, sondern bauen bestehende Kredite nach Möglichkeit ab. Folglich ist die Summe der Bilanzen der europäischen Geschäftsbanken seit 2012 um 12 Prozent zurückgegangen. In der Realwirtschaft wirkt dies wie eine restriktive Geldpolitik.

kreditvergabe

Hier will die EZB ansetzen! Die EZB plant, den Banken Kredite abzukaufen, so dass diese die Kredite nicht mehr in ihren eigenen Bilanzen behalten müssen. Das Programm wurde bereits im Juni von der EZB bekannt gegeben, wartet jedoch noch darauf gestartet zu werden. Bei diesem Programm handelt es sich bereits um das berüchtigte Instrument der Quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, kurz QE). Vereinfacht würde man sagen, es wird Geld gedruckt.

Fazit

Die EZB hatte im Juni bereits eine für den europäischen Markt geeignete Form der geldpolitischen quantitativen Lockerung verkündet. Der Ankauf von Staatsanleihen nach US-Vorbild ist nicht nur politisch höchst umstritten, er würde auch die Probleme der Eurozone nicht lösen. Das von der EZB bevorzugte Instrument ist der Kauf von verbrieften Krediten (ABS). Allerdings besteht für ein derartiges Projekt auf Seiten der EZB keinerlei Praxiserfahrung. Zusätzlich muss der benötigte administrative Apparat zuerst aufgebaut werden (woran die EZB auf Hochtouren arbeitet). Doch sobald das Programm ins Leben gerufen ist, verfügt die Notenbank über ein hocheffizientes Instrument, um die Kreditvergabe zu steigern und die teilweise hohen Zinsdifferenzen innerhalb der Eurostaaten zu bekämpfen. 

Weitere Maßnahmen sind daher vorerst nicht zu erwarten, was die Finanzmärkte kurzfristig belasten könnte. Bei der am Donnerstag (04.09) stattfindenden Pressekonferenz könnten jedoch Details über das ABS-Kaufprogramm, insbesondere über die Höhe, für eine positive Überraschung an den Märkten sorgen. 

Folgen für den Anleger

Die Geldpolitik wird auf absehbare Zeit dafür sorgen, dass die Zinsen auf heutigem Niveau verbleiben. Angesichts der hohen Verschuldung vieler Staaten (Kommunen, Unternehmen und Haushalte) ist es das Ziel der Geldpolitik die Inflation zu steigern. Nur so können die teilweise monströsen Schuldenberge getragen bzw. abgebaut werden (Finanzrepression).

Angesichts der noch nicht endgültig gelösten Problematik eines soliden Fundamentes für den Euro ist man gut beraten, nicht sein gesamtes Vermögen in Euro zu halten.  

Wer sein Vermögen real erhalten oder vermehren will, kommt an Investitionen am Kapitalmarkt nicht vorbei! 

  • Aktien bieten einen geeigneten Inflationsschutz und sind das einzige liquide Produktivkapital, das für jeden Anleger verfügbar ist. Anleihen bieten aktuell noch eine laufende Verzinsung mit einem erheblich niedrigeren Verlustpotential als Aktien. Für konservative Anleger, die sich keine großen Wertschwankungen leisten können oder auch wollen, sind Anleihen somit nach wie vor eine Alternative.
  • Andere Anlageformen, wie Edelmetalle und Rohstoffe, bieten keine laufende Rendite, sind jedoch zur als Beimischung und zur Streuung des Vermögens gut geeignet.

Eine Analyse der eigenen Vermögensstruktur, die Kenntnis der eigenen finanziellen Risikobereitschaft und eine handwerklich sauber umgesetzte Anlagestrategie waren, sind und bleiben die richtigen Antworten auf die aktuellen und zukünftigen finanziellen Herausforderungen.

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Über den Autor

Herr Mesch ist Diplom Betriebswirt und seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und die strategische Vermögensverwaltung verantwortlich. Er ist Mitglied im Anlageausschuss und verantwortet die Produkt- und Managerselektion.