Eingestellt am 20. März 2013 · Eingestellt in Markteinschätzung

Heilungsprozess in der Eurozone

Die Geschehnisse in und um Zypern und deren Interpretation dominieren dieser Tage die Medienlandschaft. Doch wenn man sich auf das Verhalten der Kapitalmärkte in dieser Woche konzentriert, so muss man eines ganz klar attestieren: Viel Lärm um nichts (siehe hierzu auch: Tagesausblick auf cashkurs.com vom 19.03.2013). An den Aktienmärkten wurde nach den starken Kursgewinnen der letzten Wochen der Sachverhalt Zypern genutzt, um einige Chips vom Tisch zu nehmen.

Irland kehrt an den Kapitalmarkt zurück

Am übergeordneten Bild ändert sich daher wenig. Die Eurozone hat die akute Krisenphase vorläufig überstanden. Die Zinsen für die Staatsschulden der europäischen Peripherie sind nach dem Einschreiten (OMT-Programm) der Europäischen Zentralbank (EZB)  stark gesunken und sogar Irland ist mittlerweile an die Kreditmärkte zurückgekehrt (Abb.1). Übrigens: Die Emission von ca. 5 Mrd. Euro irischer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren war stark überzeichnet. Die Nachfrage war so groß, dass sogar ca. 12 Mrd. Euro ihre Abnehmer gefunden hätten.

Irland

Abb.1

EZB Bilanz fällt wieder

Der Heilungsprozess in der Eurozone lässt sich auch an der Bilanz der EZB ablesen. Noch vor etwas mehr als einem Jahr war das Finanzsystem der Eurozone so stark angeschlagen, dass die EZB den Banken rund 1 Billion Euro (Nettoeffekt 500 Mrd. Euro) an Liquidität zur Verfügung stellte. Diese Finanzierungstender (LTRO Programm) mit einer Laufzeit von 3 Jahren hatten die Bilanz der EZB schlagartig in die Höhe schnellen lassen. Mittlerweile hat sich das Bankensystem soweit erholt, dass etwas mehr als 200 Mrd. Euro dieser Mittel vorzeitig von den Geschäftsbanken an die EZB zurückgezahlt wurden. Diese Entwicklung lässt sich auch an der Schrumpfung der EZB-Bilanz ablesen (Abb.2).

EZB

Abb.2

TARGET 2 Salden konvergieren

Ein weiterer Indikator für den die langsame Gesundung des EU-Finanzsystems ist in den TARGET 2 Salden zu finden. Die TARGET 2 Salden der Euroländer geben Auskunft über die Kapitalflüsse innerhalb der Eurozone. Zum Höhepunkt der letztjährigen akuten Phase der Eurokrise erreichte die Kapitalflucht aus den Peripheriestaaten im August ihren Höhepunkt, seitdem baut sich die große Divergenz innerhalb der nationalen TARGET 2 Salden langsam ab. Diese Entwicklung sagt uns, dass wieder Mittel aus „Kerneuropa“ (Deutschland, Frankreich, etc.) zurück in die Peripherie fließen (Abb.3). Abgesehen von einer Erhöhung der am Kapitalmarkt gehandelten Zinsen für Staatsanleihen würde sich eine erneute Verschärfung der Krise auch an einem Wiederanstieg der TARGET 2 Salden zeigen. Eine Kapitalflucht aus beispielsweise Spanien oder Italien als Folge der Zypern Problematik  ist anhand der Datenlage nicht zu beobachten.

TARGET

Abb.3

Zinsen für Unternehmen weiter hoch

Auch wenn sich ein Heilungsprozess vollzieht, so hat dieser noch nicht den Weg bis auf die Finanzierungsebene gefunden. Betrachtet man den Zinsaufschlag, welchen Unternehmen in den verschiedenen Krisenländern gegenüber deutschen Unternehmen zahlen müssen (Abb.4) wird schnell klar: Die reale Welt außerhalb des Finanzsektors hat noch einen langen Leidensweg vor sich. Auf der Finanzierungsseite gilt es zunächst, den negativen Trend der steigenden Zinsen für Kredite zu brechen.

Zinsen Unternehmen

Abb.4

Stimmungsindikatoren Eurozone

Das sehr unschöne Bild welches die Realwirtschaft in der Eurozone abgibt lässt sich gut an verschiedenen Stimmungsindikatoren ablesen (Abb.5). Hier ist eine kleine Besserung der Lage zu beobachten. Anders formuliert: Es wird nicht besser, sondern es ist weniger schlimm. Die Anpassungsprozesse die in den Peripherieländern in vollem Gang sind werden noch lange andauern.  Die Wettbewerbsnachteile die sich über das letzte  Jahrzehnt in der Peripherie entwickelt haben werden einen langen Anpassungsprozess benötigen um abgebaut werden zu können. Es ist bei aller Notwendigkeit dieser Schritte (Sparprogramme und politische Reformen) auch wichtig die Menschen auf diesem Weg nicht zu verlieren. Die Akzeptanz für Reformen ist begrenzt und da es an der Politik ist die Krise zu lösen sind Wahlausgänge wie jüngst in Italien nicht förderlich.

Eu Stimmung

Abb.5

Fazit:

Es hat ein Heilungsprozess begonnen. Doch dieser ist langsam und schwerfällig. Das Finanzsystem ist auf einem guten Weg sich zu erholen, aber die Realwirtschaft hat noch einen Leidensweg vor sich. Es gilt die von der EZB gekaufte Zeit zu nutzen um die Fehler, die bei Gründung des Euro begangen wurden zu korrigieren. Hierbei sind nun die politischen Führer aller Euromitgliedsstaaten an der Reihe. Sie müssen eine den Menschen eine Zukunftsperspektive bieten, sonst werden die Reformen scheitern.

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Über den Autor

Herr Mesch ist Diplom Betriebswirt und seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und die strategische Vermögensverwaltung verantwortlich. Er ist Mitglied im Anlageausschuss und verantwortet die Produkt- und Managerselektion.