Eingestellt am 20. Februar 2013 · Eingestellt in Inflationscheck

Inflationscheck und Anlagenotstand

Die offizielle (!) Inflationsrate für den Januar 2013 ist in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat von 2,1 auf 1,7 Prozent gefallen. Gleichzeitig verharren die am Kapitalmarkt gehandelten Renditen von soliden Staatsanleihen, Pfandbriefen und bonitätsstarken Unternehmensanleihen mittlerer Laufzeit nur knapp über dieser niedrigen Hürde. Nach Steuern und Kosten erscheint ein realer Erhalt der Kaufkraft in diesen Segmenten daher unmöglich.

Im Zeitablauf werden auch die Verpackungen dieser Vermögensklassen, wie bspw. Lebensversicherer und berufsständische Versorgungswerke davon betroffen sein. Eine Kapitalsammelstelle (z.B. ein Lebensversicherer oder Versorgungswerk) kann nicht dauerhaft rentierlicher sein, als die zugrunde liegenden Vermögensklassen. Zurzeit scheinen diese noch durch die Auflösung von Rücklagen und politische Interventionen vor den direkten Auswirkungen geschützt, aber langfristig können sie natürlich auch nur das auszahlen was sie selbst einnehmen. Zudem sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass die Zusagen nomineller Natur sind und der reale Kaufkrafterhalt nicht die Aufgabe der Kapitalsammelstelle ist. Das muss jeder von uns auf seiner Ebene selbst organisieren.

Die Notlage der Investoren mit Bedarf an laufenden Ausschüttungen erklärt das Kaufinteresse an Hochzinsanleihen von Emittenten schwächerer Qualität und Schwellenländeranleihen. Falls Sie irgendwann in den Ruhestand gehen, dann gehören Sie übrigens auch zu dem Kreis der Anleger, der laufende Ausschüttungen benötigt. Besonders die aktuelle 50+ Generation sollte sich zeitnah mit diesem Problem auseinandersetzen.

Inflationscheck feb

An dieser Stelle sollten wir uns vergegenwärtigen, dass der Gläubiger nur die Rendite erwarten darf, die sich der Schuldner leisten kann (quasi Pleitestaaten aus der EU-Peripherie) oder will (die „sicheren“ Häfen wie bspw. Deutschland, Schweiz, Norwegen).

Der Anlagenotstand zeigt sich nicht nur bei den Renditen festverzinslicher Wertpapiere, sondern auch den Konditionen vieler strukturierter Produkte (Zertifikate, Aktienanleihen usw.). Die Interventionen der Zentralbanken haben den Marktteilnehmern vorerst die Angst genommen und dementsprechend ist die erwartete Schwankungsbreite niedrig. Im relativen Vergleich zu den historisch niedrigen Zinsen erscheinen diese zwar attraktiv, aber absolut betrachtet ist das Chance-Risiko Profil eher ungünstig. Der Grund liegt in der niedrigen eingepreisten Schwankungsbreite. Pauschal gesprochen: Finger weg (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Daher rücken verstärkt Vermögenswerte in den Fokus denen ein Inflationsschutz und laufende Ausschüttungen zugeschrieben werden. Beliebt sind derzeit vermietete Immobilien, da diese (gefühlt) nicht im Wert schwanken und somit ein Sachwert ohne lästige Schwankungen eingekauft wird. In der aktuellen Inflationspanik ist ein vermeintlicher Inflationsschutz ohne sichtbare Nebenwirkungen ein gefährlicher Mix für Sicherheit suchende Menschen. Eine ausführliche Analyse sollte vor jeder Immobilieninvestition stehen.

Fazit: Es wird immer deutlicher, dass die Schuldenkrise in Wahrheit eine Guthabenkrise ist. Anstatt über die Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu philosophieren gilt es nun die Folgen für die eigene Lebensplanung zu analysieren. In den meisten Fällen sind die eigenen Lebensziele (Ruhestand, Ausbildung der Kinder) mit einem gewissen Kapitalbedarf verbunden. Daher gilt es diese Ziele mit der harten Realität bei den aktuell verfügbaren Renditen abzustimmen. Je früher Probleme erkannt werden, desto größer ist die Chance auf eine Lösung.

Unsere Experten für finanzielle Lebensplanung stehen Ihnen gerne für Rückfragen und Anregungen zur Verfügung.

 

 

Über den Autor

Herr Leichtweiß ist Finanzplaner und hat seinen Schwerpunkt in der strategischen Vermögensstrukturierung. Seine Beiträge finden Sie regelmäßig auf unserer Seite.