Eingestellt am 20. August 2014 · Eingestellt in Alle Publikationen, Eurokrisenbarometer

1

Das Krisenbarometer bleibt weiter in einem ruhigen Marktumfeld, doch der Druck nimmt zu. Die wirtschaftlichen Daten haben sich zuletzt merklich eingetrübt und haben die zwischenzeitlich aufkeimende Hoffnung auf eine weitere Zunahme der wirtschaftlichen Aktivität enttäuscht. Die geopolitischen Krisen, allen voran die in der Ukraine, haben die wirtschaftlichen Frühindikatoren belastet. Italien ist mit negativem Wirtschaftswachstum im 1. und 2. Quartal 2014 wieder in eine Rezession zurück gefallen und sogar in Deutschland schrumpfte die Wirtschaft im 2. Quartal gegenüber dem 1. Quartal 2014 um -0,2 Prozent.
Die erneut gefallene Inflation und das Wirtschaftswachstum von 0,0 Prozent (2. Quartal 2014 gegenüber dem 1.Quartal 2014) in der Eurozone setzt die Europäische Zentralbank weiter unter Zugzwang. Doch auch die Politik ist gefragt, denn viele Reformen stecken fest und werden nur schleppend vorangetrieben. Die Schuldenproblematik in der Eurozone kann nicht alleine durch die Zentralbank gelöst werden und erfordert ein mutigeres und gemeinsames Handeln der Staaten.

Inflation weit von EZB-Zielen entfernt

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Spielraum und die Instrumente der klassischen Geldpolitik längst ausgenutzt. Das öffentlich formulierte Inflationsziel der EZB liegt bekanntlich bei 2 Prozent. Wie weit die aktuelle Inflation von dem Ziel der 2 Prozent entfernt ist, verdeutlicht Abbildung 1 sehr gut. Die derzeitige Erwartung der Notenbank ist eine Bodenbildung der Inflation in den nächsten Monaten, bevor es langsam wieder aufwärts geht. Demnach soll sich die Inflation in 2015 wieder um die 1,1 Prozent und im Jahr 2016 um 1,4 Prozent bewegen. Die am Markt gehandelten erwarteten Inflationsraten zeigen allerdings eine deutlich niedrigere Erwartung. Sollte sich das Szenario der EZB nicht bewahrheiten und die Inflation erneut (wie zuletzt im Juni) nach unten korrigieren, dann muss die EZB nochmals tiefer in ihre Trickkiste greifen. Das Risiko, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung und somit auch indirekt die Inflation schwächer als erwartet entwickeln, ist besonders durch Krise in der Ukraine gegeben.

infXvsXziel

Abb.1

Geldpolitik Eurozone

Die Differenz zwischen der aktuellen Inflation und den Zielen der EZB ist, wie bereits mehrfach festgestellt, gravierend. Die EZB hat im Juni neue geldpolitische Maßnahmen angekündigt. Diese sind bisher nur teilweise umgesetzt worden. Besonders das Ankaufprogramm von Wertpapieren, das sich auf die Geldbasis auswirken würde, ist bisher nicht aktiv. Besonders wichtig ist es, sich erneut ins Gedächtnis zu rufen, dass der Transmissionsmechanismus der Geldpolitik gestört ist. Niedrige Zinsen und Kapitalmarktrenditen reichen nicht aus. Es muss sichergestellt werden, dass sich Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen und Haushalte verbessern. Da viele Geschäftsbanken nicht willens oder fähig sind, diese Aufgabe zu erfüllen, muss die EZB hier einspringen. Ein Indikator für die Aktivität der Notenbank, Gelder in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen, ist die Bilanzgröße im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung. Wie in Abbildung 2 zu sehen ist, gibt es hier kaum Anzeichen für eine Verbesserung.

Es wird Zeit, dass die EZB entschlossen handelt und angekündigte Maßnahmen umsetzt. Je länger die aktuelle Situation anhält, umso schwieriger wird es für die Geldpolitik, das Ruder doch noch herum zu reißen.

ecbXbalance

Abb. 2

Zinsen stabil auf niedrigem Niveau

Die EZB war bisher besonders gut darin, mit wenigen Taten geldpolitisch viel zu erreichen. Es gab wohl selten eine Notenbank, die alleine mit Worten so viel Einfluss auf die Märkte nehmen konnte, wie die EZB ab 2012. Das ist zwar schön für manche Anleger, aber irrelevant für die Realwirtschaft.

Die Kapitalmärkte erwarten, dass die EZB in letzter Instanz die Anleihen der Euroländer kaufen wird. Dies sorgte dafür, dass die Zinsen für Staatsanleihen der Euroländer in den letzten Monaten stark gefallen sind. Die Staatsanleihen der solidesten Länder der Eurozone, allen voran Deutschland, genießen in 2014 weiter fallende Renditen. Mittlerweile sind die Zinsen für deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren sogar zeitweise auf eine Rendite von unter 1 Prozent gefallen. Der Grund für diese Entwicklung liegt in dem sehr schwachen Wirtschaftswachstum und dem vorherrschenden Anlagenotstand zinsorientierter Anleger.

Auch wenn die Zinsen für Staatsanleihen derzeit extrem niedrig sind, so erwächst aus der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung eine große Gefahr.

Zwar werden die Parallelen zu Japan in den 90er Jahren gerne verleugnet, aber das Risiko, ein ähnliches Schicksal zu erfahren, ist definitiv gewachsen. Die fiskale Sparpolitik lähmt die wirtschaftliche Aktivität  in den Ländern der Eurozone. Auch der noch immer zu hohe Wechselkurs des Euro schwächt die globale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Währungsgemeinschaft. Die Situation könnte durch externe Schocks schnell wieder existenzielle Ausmaße annehmen. An potentiellen Krisenherden herrscht aktuell leider kein Mangel.

Aufgrund dieser erheblichen Risiken gehen wird davon aus, dass die EZB in den kommenden Monaten (womöglich schon im September) eine Ausweitung der bestehenden Ankaufprogramme für verbriefte Kredite bekannt geben wird. Per Ende 2014 vielleicht sogar eine unlimitierte monetäre Lockerung durch den Kauf von verbrieften Wertpapieren. 

yield

Fazit für den Anleger

Eine Analyse der eigenen Vermögensstruktur, die Kenntnis der eigenen finanziellen Risikobereitschaft und eine handwerklich sauber umgesetzte Anlagestrategie waren, sind und bleiben die richtigen Antworten auf die aktuellen und zukünftigen finanziellen Herausforderungen.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Erstellung einer umfangreichen Vermögensstrukturanalyse oder der Umsetzung einer geeigneten Anlagestrategie. Zusätzlich habe Sie die Möglichkeit, kostenfrei Ihre finanzielle Risikobereitschaft zu testen.

Kontakt aufnehmen

Haftungsausschluss/Disclaimer
Die YPOS Finanzplanung GmbH übernimmt keine Haftung für die Verwendung des vorliegenden Dokuments oder seines Inhaltes. Alle Informationen und Daten in diesem Dokument stammen aus Quellen, die der Herausgeber zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Dokuments für zuverlässig erachtet. Trotzdem kann keine Gewähr für deren Richtigkeit, Genauigkeit, Vollständigkeit und Angemessenheit übernommen werden – weder ausdrücklich noch stillschweigend. Dieses Dokument stellt weder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapiers dar, noch enthält es die Grundlage für einen Vertrag oder eine Verpflichtung irgendeiner Art. Keinesfalls stellt dieses Dokument eine Anlageberatung dar und kann eine solche auch nicht ersetzen. Investitionsentscheidungen müssen auf Grundlage des Verkaufsprospektes erfolgen, der von dem Emittenten genehmigt und bei der zuständigen Wertpapieraufsicht hinterlegt ist. Sie dürfen nicht auf Grundlage des vorliegenden Dokuments erfolgen. Die besprochenen Investments können für den einzelnen Anleger, je nach Risikoklasse, Anlageziel und finanzieller Lage, unpassend sein. Jeder Leser, vor allem jeder Privatanleger, ist dringend gehalten, sich vor jeder Investitionsentscheidung umfassend zu informieren und vor der Erteilung einer Order den Ratschlag der Bank, des Brokers oder des Investment- respektive Vermögensberaters einzuholen. Die YPOS Finanzplanung GmbH ist nicht verantwortlich für Konsequenzen, speziell für Verluste, welche durch die Verwendung oder die Unterlassung der Verwendung aus den in diesem Dokument enthaltenen Ansichten und Rückschlüsse folgen bzw. folgen könnten. Zurückliegende Wert-, Preis- oder Kursentwicklungen geben keine Anhaltspunkte auf die zukünftige Entwicklung des Investments. Die YPOS Finanzplanung GmbH übernimmt keine Garantie dafür, dass der angedeutete Ertrag oder die genannten Kursziele erreicht werden. Es ist möglich, dass die YPOS Finanzplanung GmbH, ein verbundenes Unternehmen, Anteilseigner, Führungskräfte oder Angestellte Käufe oder Verkäufe in einem in dieser Publikation beschriebenen oder damit verbundenen Wertpapieren, Rohstoffen, Fonds oder Unternehmen tätigen oder getätigt haben oder in anderer Weise Anteile an Unternehmen, Rohstoffen oder Fonds dieser Publikation hält. Nähere Informationen enthalten die Hinweise nach § 34b WpHG. Dieses Dokument und die darin enthaltenen Informationen sind in Großbritannien nur zur Verteilung an Personen bestimmt, die berechtigte Personen oder freigestellte Personen im Sinne des Financial Service Act 1986 oder eines auf seiner Grundlage erfolgten Beschlusses sind oder an Personen, die in Artikel 11 (3) des Financial Services Act 1986 (Investment Advertisement – Exemptions) oder 1996 in der derzeit gültigen Fassung beschrieben sind. Anderen Personen oder Personengruppen darf dieses Dokument weder direkt noch indirekt übermittelt werden. Dieses Dokument darf weder direkt noch indirekt in die USA oder Kanada oder an US-Amerikaner oder eine Person, die ihren Wohnsitz in Kanada hat, übermittelt werden, noch in deren Territorium gebracht oder verteilt werden. Die Verteilung dieses Dokuments und der darin enthaltenen Informationen in andere Gerichtsbarkeiten kann durch Gesetz beschränkt sein und Personen, in deren Besitz dieses Dokument gelangt, sollten sich über etwaige Beschränkungen informieren und diese einhalten. Jedes Versäumnis, diese Beschränkung zu beachten, kann eine Verletzung der US-amerikanischen oder kanadischen Wertpapiergesetze oder der Gesetze einer anderen Gerichtsbarkeit darstellen. Verantwortlicher im Sinne des Presserechts: Sönke Liebig Die Reproduktion, Veränderung oder kommerzielle Nutzung des Dokuments und seines Inhaltes ist untersagt und ist ohne vorherige schriftliche Einwilligung seitens der YPOS Finanzplanung GmbH unzulässig. Die YPOS Finanzplanung GmbH kann gegenüber Jedermann jederzeit ohne Angabe von Gründen die sofortige Unterlassung der Weitergabe des Dokuments verlangen. Sofern keine Angaben bezüglich der Quellen von Grafiken gemacht werden, entstammen diese der Quelle presentermedia.com. Urheberrecht Die in diesem Dokument veröffentlichten Beiträge und Grafiken sind urheberrechtlich geschützt. Jede ungenehmigte Vervielfältigung, auch auszugsweise, ist unstatthaft. Nachdruckgenehmigungen kann der Herausgeber erteilen.  

Über den Autor

Herr Mesch ist Diplom Betriebswirt und seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und die strategische Vermögensverwaltung verantwortlich. Er ist Mitglied im Anlageausschuss und verantwortet die Produkt- und Managerselektion.