Eingestellt am 3. November 2021 · Eingestellt in Alle Publikationen, Inflationscheck

Die offizielle Inflationsrate beträgt 4,5 Prozent und Zinsen gibt es faktisch nicht. Die Bezeichnung „finanzielle Repression“ ist jüngst wieder häufiger zu lesen. Der Anlagenotstand nimmt daher weiter zu. Gleichzeitig erzeugen die massiven Preissteigerungen bei Immobilien und Aktien den Eindruck, dass Anleger unmittelbar für die „Flucht in Sachwerte“ belohnt werden. Damit steigt das Risiko, dass Anleger mit unrealistischen Erwartungen investieren und in Krisen negativ überrascht werden.

YPOS Inflationscheck zeigt finanzielle Repression

Selbst mit festverzinslichen Wertpapieren niedriger Bonität ist auf dem aktuellen Niveau kein Erhalt der Kaufkraft möglich. Daher ist es nachvollziehbar, dass aktienbasierte Kapitalanlagen und illiquide Sachwerte (Immobilien, Infrastruktur, Private Equity) immer stärker in den Fokus der Investoren rücken.

Inflationsrate in der Eurozone

Für die gesamte Eurozone wird ein Anstieg der Verbraucherpreise in Höhe von 4,1 Prozent erwartet. Die Kerninflationsrate für die Eurozone liegt bei 2,1 Prozent.

Die Erwartung der Europäischen Zentralbank (EZB) ist weiterhin, dass die Inflation im Jahresverlauf 2022 zurückgeht. Betrachtet man die Entwicklung der Produzentenpreise und die Entwicklung bei Rohstoffen, dann könnte man diese Meinung anzweifeln.

Marktbasierte Inflationserwartungen gestiegen

Bei den marktbasierten Inflationserwartungen ist ein deutlicher Anstieg zu erkennen. Diese liegen bei bei 2,4 Prozent (2 Jahre) und, 2,02 Prozent (5 Jahre).

Mit zunehmender Laufzeit fallen die Erwartungen geringer aus. In den Jahren vor Corona waren die Inflationserwartungen kein guter Indikator für die sich dann zukünftig realisierenden Inflationsraten. Aufgrund der vielfältigen Wechselwirkungen und der Einmaligkeit der „Corona Situation“ ist eine Prognose mit sehr großen Unsicherheiten behaftet.

Zumindest sind die aktuell diskutierten Einflussfaktoren auf die Inflation bekannt: Statistische Basiseffekte, der Anstieg der Energiepreise, Probleme in den globalen Lieferketten, eine Knappheit an passenden Arbeitskräften und nicht zuletzt die expansive Geldpolitik der Zentralbanken.

Renditen deutscher Staatsanleihen gestiegen

Langsam scheint sich der Konsens an den Anleihemärkten zu etablieren, dass die höheren Inflationsraten nicht nur „vorübergehend“ sind. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sind bereits angestiegen. Damit verteuern sich Finanzierungen für Immobilien und Unternehmen. Bei Anleihen kam es im Jahresverlauf zu Kursverlusten.

Diversifiziert investieren und Risiken konservativ schätzen

Nullzinsen und Inflation sprechen für eine sachwertorientierte Anlagestrategie. Allerdings wurden Aktionäre, speziell im US-lastigen, globalen Aktienmarkt seit der globalen Finanzkrise etwas zu sehr verwöhnt. Kursrückgänge wurden sehr schnell wieder aufgeholt. Dieses Zusammenspiel aus Anlagenotstand (Nullzinsen, Inflation) und erfolgreichem „Buy the Dip“ Verhalten führt zu einem falschen Risikoverständnis und anfälligen Portfoliokonstruktionen (geringe Diversifikation).

Die nach vorne gerichtete Risikoschätzung der Anlagestrategie sollte daher konservativ vorgenommen werden. Die Abbildung zeigt Daten für ein sehr gut diversifiziertes Portfolio mit einer Verteilung von 40 Prozent Aktien und 60 Prozent Anleihen.

Die obere Grafik zeigt verschiedene Risikokennzahlen. Der Wert unter dem Fragezeichen impliziert, dass der erwartete Verlust (auf Basis dieses beispielhaften Modells) über einen Zeitraum von einem Jahr nur in 5 Prozent der Fälle mehr als 6,6 Prozent beträgt. Dies ist zwar modelltheoretisch korrekt, aber durch den positiven Verlauf an den Kapitalmärten verzerrt.

Eine konservativere Betrachtungsweise für das selbe Portfolio und den gleichen Zeitraum findet sich in der unteren Hälfte der Grafik. Das geschätzte Risiko (VaR 1J) steigt auf 13,06 Prozent. Im Extremfall liegt der erwartete Verlust bereits bei 14,41 Prozent. Eine Garantie für einen maximalen Verlust zu einem bestimmten Zeitpunkt ist das natürlich ebenfalls nicht.

Allerdings ist es aktuell eindeutig die sinnvollere Größe. Diese sollte in der Analyse von Anlagestrategien (also auf der Portfolioebene) und deren Geeignetheit für Anleger (individuelle Risikobereitschaft, Anlagehorizont, Risikotragfähigkeit) herangezogen werden. Alternativ lohnt der Blick auf die historisch größten Verlustphasen, um zu geeigneten Erwartungen zu kommen.

Individuelle Beratung und professionell umgesetzte Portfoliostrategien sind die passende Antwort auf die vielschichtigen Herausforderungen.

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Über den Autor

Herr Leichtweiß ist Finanzplaner und hat seinen Schwerpunkt in der strategischen Vermögensstrukturierung. Seine Beiträge finden Sie regelmäßig auf unserer Seite.