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Eingestellt am 27. August 2015 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markteinschätzung

Crash oder kurze Turbulenz?

Der Monat August hatte es in diesem Jahr in sich. Normalerweise ist der Sommermonat ein Börsenmonat mit relativ geringen Handelsvolumina, da viele Marktteilnehmer im Urlaub sind. Der Dax als wichtigstes Börsenbarometer für Deutschland gab zwischenzeitlich alle Gewinne des Jahres 2015 ab. Am 24. August markierte er mit ca. 9.361 Punkten den tiefsten Stand seit Januar und lag zeitweise über 8 Prozent im Minus.

Die große Frage, die sich alle Anleger stellen, lautet dieser Tage:

Ist die extreme Kursbewegung an den Kapitalmärkten wirklich gerechtfertigt und wie tief kann der Markt noch fallen?

DAXXAug

Quelle: Reuters

Diese Frage mit Sicherheit zu beantworten ist ohne Glaskugel und magisches Talent nicht möglich. Was wir jedoch tun können, ist die Marktbewegung in den Gesamtkontext einzuordnen, um eine bessere Einschätzung der aktuellen Situation zu ermöglichen.

Aktienmarkt China

Als Begründung der heftigen Marktturbulenzen wird häufig der chinesische Aktienmarkt genannt. Die Medien sprechen in diesem Zusammenhang stets vom Aktienmarkt auf dem Festland. Dieser wird jedoch überwiegend von chinesischen Marktteilnehmern dominiert und macht gerade einmal 2,6 Prozent des globalen Aktienmarktes – gemessen an der Marktkapitalisierung des MSCI World All Country Index – aus. In der chinesischen Bevölkerung macht der Anteil der Haushalte, die Aktien besitzen gerade einmal 8,8 Prozent aus. Zum Vergleich: In den USA bei liegt dieser Anteil bei ca. 50 Prozent und sogar in Deutschland, wo man dem Aktienmarkt mehrheitlich nicht über den Weg traut, besitzen 12,1 Prozent der Bevölkerung Aktien. Angesichts der Größe des chinesischen Aktienmarktes sollte der Kurssturz an den chinesischen Börsen keinen globalen Aktieneinbruch rechtfertigen.

Konjunktursorgen

Die Konjunktursorgen, besonders ein rapider Einbruch der chinesischen Wirtschaft, ist in der Tat ein Faktor, der den Kursverlauf der letzten Tage rechtfertigen würde. Doch bisher gibt es keine belastbaren Wirtschaftsdaten, die ein derartiges Szenario belegen könnten.

Wachstum in China

In China gibt es zwar Zeichen einer konjunkturellen Schwäche, doch nicht eines totalen Kollaps‘. Was sich derzeit in China abspielt ist symptomatisch für die Entwicklung eines Landes, das in frühen Phasen des Wirtschaftswachstums hohe Summen in die Infrastruktur sowie den industriellen Sektor investiert hat. Durch ein exportgetriebenes Wirtschaftswachstum entwickelte sich China lange Zeit  mit hohen Wachstumsraten. Diese Phase konnte nicht für immer Bestand haben – steigende Produktionskosten bzw. der Anstieg des Preisniveaus zwangen chinesische Unternehmen, sich in der Wertschöpfungskette nach oben zu orientieren. In der Folge findet ein, durch die Regierung geförderter, struktureller Wandel der chinesischen Wirtschaft statt. Dieser wird zukünftig mit geringeren Wachstumsraten und anderen Wachstumstreibern vonstattengehen. Im Rahmen dieses Wandels wird es immer wieder Teilstrecken geben, in welchen sich Belastungsfaktoren negativ auf den Prozess auswirken. In einem solchen Punkt befinden wir uns derzeit.

Konjunktur USA & Europa

In den USA und Europa gibt es jedoch keinerlei Anzeichen einer bevorstehenden Rezession. Dies ist ein wichtiger Aspekt, den man sich stets vor Augen halten sollte. Denn unserer Meinung nach ist der Kursverfall an den Aktienmärkten der Versuch des Marktes, die Entwicklung der realen Wirtschaft vorwegzunehmen. Diese Eigenschaft des Kapitalmarktes, erst zu handeln und dann zu denken, wurde sehr anschaulich von der Börsenlegende Andre Kostolany beschrieben:

„Mit der Wirtschaft und der Börse verhält es sich wie mit dem Mann und seinem Hund beim Spaziergang. Der Mann läuft langsam und gleichmäßig weiter. Der Hund läuft vor und zurück. Aber beide bewegen sich in die gleiche Richtung. Der Mann ist die Wirtschaft, der Hund die Börse.“

Ausblick

Ob die konjunkturelle Vorahnung der Kapitalmarktteilnehmer begründet ist, muss die Zeit zeigen. Es muss jedoch beachtet werden, dass ein Crash am Kapitalmarkt (bisher haben wir, wenn überhaupt, einen kleinen Crash gesehen) auch die reale Wirtschaft infizieren kann. Wenn eine Kapitalmarktbewegung im großen Ausmaß Werte wie z.B. Aktien vernichtet, wird auch das Vertrauen in der Realwirtschaft getrübt. Die derzeitige Datenlage zeigt keinen Einbruch der Wirtschaft in den USA oder Europa. Im Gegenteil, die Daten aus den USA waren in den letzten Tagen deutlich besser als erwartet und auch in Europa setzt sich die Zunahme der wirtschaftlichen Dynamik fort. In China wird das Wachstum in Höhe der 7 Prozent Marke (das Wachstumsziel der chinesischen Zentralregierung) nur schwer zu erreichen sein. Es ist wahrscheinlich, dass die Regierung (wie bereits am 25. August geschehen), mit einer Lockerung der Geldpolitik reagiert, dies sollte den Markt kurzfristig stützen.

Privatinvestoren sollten sich von den Turbulenzen an den Kapitalmärkten nicht in ihrer Anlagestrategie verunsichern lassen. Anleger werden oft von dem Geschehen der Kapitalmärkte zu einem prozyklischen Verhalten verleitet.

renditen

Quelle: Dimensional Fund Advisors

Es ist daher wichtig, Investitionen breit zu streuen (global) und keine Klumpenrisiken einzugehen. Die eigene Strategie sollte diszipliniert umgesetzt werden ohne sich vom Tagesgeschehen oder der Berichterstattung der Medien verunsichern zu lassen.

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Über den Autor

Herr Mesch ist seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und Portfoliomanagement verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Anlageausschusses. Vorige Stationen umfassten unter anderem: DWS Investments, Franklin Templeton, DEKA Bank so wie Commerzbank. Herr Mesch hat seinen Abschluss als Diplom Betriebswirt in 2009 an der Fachhochschule Worms erhalten.