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Eingestellt am 14. August 2015 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markteinschätzung

Im Bann des Währungskrieges

Die Nachricht, dass die chinesische Zentralbank den Wechselkurs des Yuan um fast 2 Prozent abwertete, schlug an den Märkten ein wie eine Bombe. Die Erklärung hierfür begründet sich in der Tatsache, dass der chinesische Yuan früher fest an den US-Dollar gekoppelt war und nun in einer gewissen Bandbreite um einen festgelegten Referenzwert schwanken kann. Die Ziele der chinesischen Notenbank sehen vor, den Yuan nach und nach zu einer frei handelbaren Währung zu machen. Dazu lässt die Zentralbank seit einigen Jahren eine Handelsspanne von bis zu 2 Prozent zu. In den letzten Jahren hat die chinesische Zentralbank aufgrund des stetig steigenden Bruttoinlandsprodukts einer schrittweisen Aufwertung des Yuan zugestimmt. Am Dienstag den 11. August ließ die Zentralbank den Yuan um zunächst knapp 2 Prozent abwerten. Diese Abwertung setzte sich am Mittwoch und Donnerstag weiter fort.

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Der Abwertung der chinesischen Währung ging eine Reihe von schwachen Wirtschaftsdaten voraus. Erst vor wenigen Tagen wurde ein überraschend hoher Rückgang der chinesischen Exporte veröffentlicht. Die Serie an negativen Nachrichten in Kombination mit der größten Tagesveränderung (Abwertung) des Yuan lassen vermuten, dass es hinter den Kulissen der staatlichen Statistikbehörde noch prekärer um die Wirtschaft bestellt ist. So interpretierte es zumindest eine Mehrheit der Kapitalmarktteilnehmer, denn alle Aktien von Unternehmen, die größere Anteile ihres Umsatzes in China generieren, wurden mit heftigen Preisabschlägen bestraft.

chinaXexport

Die Reaktion der globalen Aktienmärkte fiel extrem heftig aus. Besonders hart traf es, wie bereits erwähnt, Aktienmärkte, deren Exportanteil mit China relativ groß ist. Daher kann man den DAX30 Index auch ganz vorne bei den Verlierern der letzten 5 Handelstage finden. Nicht ganz zufällig steht der chinesische Aktienmarkt auf der Sonnenseite der Wertentwicklung. Die staatlichen Eingriffe in den Aktienmarkt in Kombination mit wachstumsunterstützenden Maßnahmen (Abwertung der heimischen Währung) durch die Notenbank, führten zu dieser künstlichen Stimulation.

aktien

Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten beschränkten sich jedoch nicht nur auf den Aktienmarkt. Auch an den Devisenmärkten ging es heiß her. Die explosionsartig angestiegene Volatilität an den Märkten veranlasste die Marktteilnehmer auf eine Verschiebung der bevorstehenden Zinserhöhung in den USA zu spekulieren. Dabei ging man davon aus, dass die US-Notenbank nicht in einem Umfeld von extrem verunsicherten Kapitalmärkten die Zinsen anheben wird. Dies drückte sich in der Kursentwicklung des EUR/USD-Wechselkurses aus. Der USD verlor jedoch noch aufgrund weiterer Einflussfaktoren an Wert. Einerseits verschulden sich Investoren in Währungen mit niedrigen Zinsen und investieren diese in höher verzinsten Anlagen (hier: USD). Dies nennt man am Finanzmarkt einen Carry Trade. Wenn ein Investor z.B. im Euro Raum Schulden aufnimmt, um die Mittel in US-Anleihen zu investieren, muss dieser Investor Euro gegen US-Dollar tauschen. In einem ruhigen Marktumfeld steigt der Kurs des US-Dollar an, da viele Investoren die in Euro aufgenommenen Mittel in US-Dollar tauschen. In einem Marktumfeld in dem Investoren durch ein Ereignis plötzlich verunsichert werden, reduzieren diese Investoren ihre Risikopositionen und müssen im Fall des geschilderten Carry Trades, um keine Währungsverluste zu erleiden, die Währungen zurücktauschen. Durch diesen Marktmechanismus werden Währungskurse prozyklisch beeinflusst.

Genau dies kann man in den letzten Tagen an den Märkten beobachten. Wie in der unten abgebildeten Grafik zu erkennen ist, steigt die Schwankung an den Aktienmärkten stark an – der VIX-Index misst die Schwankungen am US-Aktienmarkt -. Der Euro steigt aus den genannten Gründen gegenüber dem USD als auch gegenüber Währungen wichtiger Handelspartner (EURO-Index).

Interessanterweise konnten viele Rohstoffe in den letzten Tagen ihre Verluste reduzieren bzw. sogar Gewinne verbuchen. Diese Entwicklung ist dem fallenden Kurs des US-Dollar geschuldet. Die meisten Rohstoffe werden in US-Dollar abgerechnet und reagieren daher traditionell positiv auf eine US-Dollar Schwäche.

bond

Markt Ausblick

Die Motive der chinesischen Notenbank zum gewällten Zeitpunkt ihrer Währung eine höhere Flexibilität zuzugestehen, ist ein intelligenter Schachzug. Zum einen fordert der Internationale Währungsfonds bereits seit langem einen Übergang hin zu einem frei handelbaren Yuan. Zum andern bewirkt die Flexibilisierung der Währung eine Abwertung, die sich positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit der zuletzt schwachen wirtschaftlichen Entwicklung auswirkt. Die chinesische Notenbank hat in ihrer Pressekonferenz am Mittwoch bekräftigt, dass man nicht die Absicht habe, die Währung unverhältnismäßig abwerten zu lassen. Ob die Notenbank dieser Maxime treu bleibt, muss abgewartet werden. Denn wenn man den Meldungen einiger Nachrichtenagenturen folgt, besteht die Möglichkeit, dass der Yuan weitere 3 bis 5 Prozent abgewertet werden könnte. In diesem Fall würde sich der ohnehin bereits stattfindende Wettbewerb, welche Notenbank die heimische Währung am stärksten abwerten kann, noch weiter beschleunigen.

Die nächsten Wochen sollten aufgrund der Vielzahl an Risikofaktoren, die derzeit im Fokus stehen, nicht langweilig werden. Die erhöhten Schwankungen an den Börsen sollten uns also erhalten bleiben.

Anleger mit einer klaren Strategie und gut strukturiertem Vermögen sollten sich nicht durch die kurzfristigen Geschehnisse an den Börsen aus der Ruhe bringen lassen. Anleger, die nicht über eine klare Strategie verfügen, sollten die Situation nutzen, um ihr Vermögen professionell analysieren und eine Strategie für ihre individuellen Bedürfnisse ausarbeiten zu lassen.

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Über den Autor

Herr Mesch ist seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und Portfoliomanagement verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Anlageausschusses. Vorige Stationen umfassten unter anderem: DWS Investments, Franklin Templeton, DEKA Bank so wie Commerzbank. Herr Mesch hat seinen Abschluss als Diplom Betriebswirt in 2009 an der Fachhochschule Worms erhalten.