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Eingestellt am 4. Juni 2014 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markteinschätzung

Banges Warten auf die EZB Sitzung

Die Kapitalmärkte befinden sich seit etwas über einer Woche in abwartender Haltung. Der große Höhepunkt, auf den alle Marktteilnehmer warten, ist die am Donnerstag (05. Juni) stattfindende Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Erwartungen, dass die EZB handeln und eine weitere Lockerung der Geldpolitik beschließen wird sind hoch. Die Angst vor einer Enttäuschung  ist nicht zu verbergen.

Erwartungen an die EZB

Bereits in der letzten Sitzung der EZB weckte Mario Draghi die Erwartungen an eine entschlossene Reaktion der Geldpolitik. „Die Ratsmitglieder fühlen sich wohl damit, bei der nächsten Sitzung zu handeln“, so die Worte des EZB-Präsidenten in der letzten Pressekonferenz. Seitdem haben sich mehrere Mitglieder des EZB-Rates öffentlich geäußert und dabei auch unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen explizit nicht ausgeschlossen. Von Seiten der Deutschen Bundesbank ist der Widerstand gegen den direkten Ankauf von Wertpapieren vorerst aufgegeben worden.

Inflation

Grund für die ausgebrochene Einigkeit im EZB-Rat sind die anhaltend niedrigen Inflationsdaten der Eurozone. Erst am 03. Juni wurden die neusten (vorläufigen) Inflationszahlen für Mai vorgelegt. Diese sind erneut gefallen und liegen bei 0,5 Prozent (Abb.1), die Prognosen lagen bei 0,7 Prozent. Die anhaltend niedrige Inflation liegt auch unterhalb der Prognosen der Volkswirte der EZB und somit ist es wahrscheinlich, dass in der am 05. Juni stattfindenden Pressekonferenz auch die offiziellen Erwartungen der EZB nach unten revidiert werden.

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Betrachtet man die am Kapitalmarkt gehandelten erwarteten Inflationsraten, so liegen diese auch in 2 Jahren bzw. 5 Jahren nur marginal höher als heute (Abb. 2). Eine solche Entwicklung birgt ein signifikantes Risiko für die europäische Wirtschaft und erschwert zudem die Stabilisierung bzw. die Rückführung der hohen Verschuldungsquoten. Daher gehen wir von einer deutlichen Reaktion der EZB am morgigen Donnerstag aus.

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Was ist zu erwarten?

Die Maßnahmen der Notenbank werden aus einer Kombination von verschiedenen klassischen und unkonventionellen Eingriffen bestehen. Diese könnten wie folgt aussehen:

  1. Die Senkung des Zinskorridors ist bereits ausgemachte Sache. Diese sollte zwischen 10 und 15 Basispunkten betragen. Dies ist jedoch kein geeignetes Instrument, um die Inflation oder die Kreditvergabe der Banken zu beeinflussen. Die Zinssenkung trifft vielmehr den Geldmarkt und beeinflusst indirekt den Wechselkurs des Euro gegenüber anderen Währungen.
  2. Langfristige Liquiditätstender würden, unter der Bedingung, dass die Mittel für Kredite genutzt werden, der hohen Divergenz im Finanzsystem entgegenwirken. Das Problem: Viele Banken zahlen überschüssige Liquidität bereits seit Monaten an die EZB zurück. Jedoch könnte durch eine generöse Akzeptanz von Sicherheiten, die von den Geschäftsbanken bei der EZB für die Liquidität hinterlegt werden, ein positiver Effekt entstehen. Diese Maßnahme wird wahrscheinlich beschlossen.
  3. Ein Ankaufprogramm von Forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) oder Unternehmensanleihen könnte den Transmissionsmechanismus des Geldes in Gang bringen. Diese Maßnahme scheint am besten geeignet, um die Problematik der schwachen Kreditvergabe zu bekämpfen. Ein derartiges Programm wäre wünschenswert, allerdings würden wir es zum jetzigen Zeitpunkt als kleine Überraschung einstufen.
  4. Quantitative Lockerung im Stil der US-Notenbank würde den Ankauf von Staatsanleihen umfassen. Dieses Vorgehen hätte eine Steigerung des Preisniveaus am Kapitalmarkt zur Folge. Zinsabhängige Vermögensklassen wie bspw. Immobilien würden neben den Aktien und Anleihen wohl ebenfalls profitieren. Die Inflationserwartungen würden wahrscheinlich ansteigen. Ein derartiges Programm ist zum aktuellen Zeitpunkt jedoch unwahrscheinlich.

Auch wenn die EZB zum aktuellen Zeitpunkt nur einen Teil ihrer möglichen Instrumente einsetzen wird, bleiben alle Optionen auf dem Tisch. In der Pressekonferenz wird Mario Draghi wahrscheinlich mit starker Rhetorik auf den möglichen Einsatz von Punkt 3 und 4 eingehen. Das Ziel ist es, den Euro weiter zu schwächen, um so indirekt die Inflationsraten zu stabilisieren und den Euro gegenüber anderen Währungen zu schwächen. Letzteres soll den Export stützen.

Die EZB hat bereits zuvor mit ihrer Geldpolitik überrascht. Daher ist es durchaus möglich, dass die Maßnahmen stärker und umfangreicher ausfallen werden, als vom Markt erwartet. Eine ausführliche Analyse erhalten Sie am Freitag im Rahmen des YPOS Euro-Krisenbarometers.

Folgen für den Anleger

Es ist nicht wichtig, ob morgen oder zu einem späteren Zeitpunkt: Die EZB ist grundsätzlich entschlossen, alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen. Dies bedeutet für den Anleger, dass die Zinsen für Sichteinlagen wahrscheinlich weiter in Richtung 0 Prozent fallen bzw. auf absehbare Zeit auf extrem niedrigem Niveau verweilen werden. Auf der anderen Seite könnten durch die Maßnahmen andere Vermögenswerte stark profitieren. Betrachtet man den europäischen Aktienmarkt, hat dieser bereits einiges an geldpolitischen Maßnahmen vorweg genommen. Ähnlich verhält es sich auch mit den Anleihe- und den Währungsmärkten. Doch solange die EZB den eingeschlagenen Weg weiter beschreitet, sollten sich diese Entwicklungen ebenfalls fortsetzen können.

Im Klartext bedeutet dies: Die Bürger der Eurozone werden in Form niedriger Zinsen am Schuldenabbau beteiligt (Reflation). Darüber hinaus wird die EZB über den Ankauf von Wertpapieren eine Vergemeinschaftung von Kreditrisiken vornehmen.

Es sollte also oberstes Gebot für jeden Investor sein, das eigene Portfolio so robust zu gestalten, dass es in allen möglichen Szenarien bestehen kann. Dafür sind Investitionen in verschiedene Anlageklassen und Währungen die geeigneten Instrumente. Voraussetzung für deren erfolgreichen Einsatz ist allerdings, dass der Anleger über eine handwerklich sauber hergeleitete Anlagestrategie verfügt.

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Über den Autor

Lisa Hassenzahl ist zertifizierte Finanzplanerin (CFP). In unserem Haus ist sie insbesondere Ansprechpartnerin für Frauen. Von der Risikoabsicherung für junge Berufseinsteigerinnen bishin zur Ruhestandsplanung für Unternehmerinnen steht Sie Ihnen gerne zur Verfügung.