Eingestellt am 30. April 2015 · Eingestellt in Markteinschätzung

Große Bewegungen an allen Märkten

Die Seitwärtstendenz der letzten Wochen wurde am vergangenen Mittwoch verlassen. Besonders stark reagierten deutsche Aktien, die in 2015 bisher eine sehr gute Performance lieferten. Es waren jedoch nicht nur deutsche Aktien, die mit hohen Verlusten aus dem Handel gingen. Auch am Rentenmarkt fielen die Preise für Anleihen auf breiter Front. Ein ähnliches Bild bot sich am Währungsmarkt, an dem sich zumindest kurzfristig der Trend des zuletzt schwachen Euro umkehrte.

Der Auslöser für die teilweise extremen Bewegungen an den Kapitalmärkten kam aus den USA. Hier sorgte ohnehin die Sitzung der US-Notenbank, die am Mittwochabend ihre Entscheidungen zur US-Geldpolitik bekannt gab, für eine erhöhte Nervosität. Doch zuvor warteten die Börsianer auf die Veröffentlichung der Zahlen des US-Bruttosozialproduktes für das 1. Quartal 2015. Nachdem die volkswirtschaftlichen Daten in den letzten Wochen und Monaten eher schwach ausfielen, waren die Erwartungen ohnehin gering. Doch als anstatt des erwarteten Wachstums von 1,0 Prozent nur 0,2 Prozent veröffentlicht wurden, sorgte dies für eine starke Verunsicherung der Marktteilnehmer. Die zuletzt sehr populäre Meinung, die US-Notenbank könne die Zinsen in Kürze anheben, wurde durch das schwache Wirtschaftswachstum erheblich in Frage gestellt. Dies führte dazu, dass alle Marktteilnehmer, die aufgrund dieser Annahme investiert waren, auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Dazu gehörten auf der Währungsseite alle Positionen, die den EUR gegenüber dem USD verkauft hatten. Europäische und besonders deutsche Aktien, die von dem günstigen Eurokurs profitieren, standen dementsprechend ganz oben auf der Verkaufsliste.

Sehr beunruhigend ist die Reaktion am Anleihemarkt. Hier setzte der Verkaufsdruck bereits vor der Veröffentlichung der Daten zum US-Wirtschaftswachstum ein. Bemerkenswert ist, dass sich aufgrund der herrschenden Risikoaversion die Anlageklassen Aktien und Anleihen nahezu gleich verhalten. Das bedeutet, eine Risikodiversifikation durch den Kauf verschiedener Anlageklassen funktioniert in diesem Kapitalmarktumfeld nicht mehr.

Analyse

Die Marktreaktionen in dieser Woche sind sehr stark und wecken bei vielen Anlegern insbesondere ein Gefühl: Angst!
Doch von Emotionen sollte man keine Anlageentscheidungen abhängig machen. Egal ist hierbei, ob es sich um die Angst handelt, wenn es mit Kursen bergab geht oder die Gier, wenn die Märkte so erscheinen, als gäbe es keine Grenzen nach oben.
Die Fakten sehen derzeit folgendermaßen aus: In den USA ist das BIP zum Jahresauftakt wesentlich geringer ausgefallen als erwartet. Hierbei handelt es sich um einen Datenpunkt, der noch keine Datenserie macht. Die US-Notenbank ist auch nicht bekannt dafür, dass sie ihre Geldpolitik an kurzfristigen Entwicklungen ausrichtet. Die US-Zinserhöhung ist unserer Ansicht nach nicht vom Tisch und könnte ab September 2015 stattfinden. Nach dem strengen Winter ist es wahrscheinlich, dass das US-Wirtschaftswachstum im 2. und 3. Quartal zulegen kann. Dies sollte von den niedrigen Energiekosten gestützt sein, denn der US-Konsument hat effektiv mehr Geld zur Verfügung.
Die aktuellen Kursentwicklungen an den Kapitalmärkten sind als Gegenbewegung einzuordnen, denn nach teilweise sehr hohen Gewinnen am Aktien-, Anleihe- und Währungsmarkt ist eine Korrektur willkommen. An der Großwetterlage ändern die Geschehnisse dieser Woche zunächst einmal nichts.

Was Anleger tun können

Die Maßnahmen der EZB haben dafür gesorgt, dass mit relativ sicheren Anlagen kaum noch Geld zu verdienen ist. Daraus ergeben sich vielfältige Probleme, aber auch positive Effekte.

Sparer, die für zukünftige Verpflichtungen vorsorgen wollen oder müssen, können ihre Ziele mit den traditionellen Anlagen in diesem Zinsumfeld nicht mehr erreichen. Diese Tatsache muss entweder akzeptiert werden oder man muss eben mehr Kapital zurückgelegen, respektive länger ansparen. Alternativ ist es denkbar, dass Anleger in höherverzinste Anlagen investieren, die mit einem höheren Risiko einhergehen. Die Möglichkeit, in eine höhere Risikoklasse zu investieren, steht übrigens nicht jedem zu Verfügung. Versicherungen, Banken, Pensionskassen und andere professionelle Anleger müssen einen Großteil ihrer Gelder in solide Anleihen investieren.

Der positive Effekt der niedrigen Zinsen liegt in einem Anstieg der Vermögenspreise, von der Immobilie bis zur Aktie. Dieser Effekt ist von der EZB beabsichtigt und wird als Vermögenseffekt bezeichnet. Hierdurch steigert sich das Vermögen der Anleger und diese könnten theoretisch auch mehr Geld ausgeben/investieren, zumal die unattraktiven Zinsen nicht gerade zum Sparen einladen. Auf diesem Weg soll die Wirtschaft stimuliert und die Inflationsraten wieder in Richtung der 2 %-Marke bewegt werden. Dies ist auch zwingend notwendig, denn durch die hohen Schuldenstände von Staaten, Unternehmen und Haushalten ist die Tragfähigkeit dieser nur mittels einer erhöhten Inflation zu gewährleisten (finanzielle Repression).  Sollte die Strategie der Zentralbank nicht aufgehen, könnten die Anleger jedoch vor einem bedeutend größeren Problem stehen als einem extrem niedrigen Zinsumfeld.

Alternativen für den Anleger in der Übersicht

Für Anleger gibt es nur zwei  Alternativen.

1. Man muss die niedrigen Zinsen akzeptieren und den realen, in einigen Fällen sogar nominalen, Vermögensverlust hinnehmen. Die Konsequenzen (längeres Arbeitsleben oder höhere Sparquote) sind nicht gerade erbaulich, doch für einige leider alternativlos.

2. Wer einen ausreichend langen Anlagezeitraum und die entsprechende Risikobereitschaft mitbringt, kann sein Vermögen ganz oder auch teilweise in Anlageklassen mit einem höheren Risikoprofil investieren. Wer sich mit diesem Gedanken befasst, sollte einen professionellen und unabhängigen Rat einholen. Denn in dem heutigen Kapitalmarktumfeld, in dem die Renditen gering sind, kann man es sich nicht erlauben große Fehler in der eigenen Anlagestrategie zu machen.

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Über den Autor

Herr Mesch ist seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und Portfoliomanagement verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Anlageausschusses. Vorige Stationen umfassten unter anderem: DWS Investments, Franklin Templeton, DEKA Bank so wie Commerzbank. Herr Mesch hat seinen Abschluss als Diplom Betriebswirt in 2009 an der Fachhochschule Worms erhalten.