Eingestellt am 19. September 2014 · Eingestellt in Alle Publikationen, Eurokrisenbarometer

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Das Krisenbarometer fällt nach dem überraschenden Maßnahmenpaket der Europäischen Zentralbank. Die Infaltionserwartungen, wie auch die Perspektiven der Wirtschaft, haben sich stabilisiert und sollten sich angesichts der bevorstehenden geldpolitischen Eingriffe der EZB weiter verbessern. Die EZB macht, wie bereits im Jahr 2012 angekündigt, ernst und lässt den Worten nun Taten folgen. Sie steht damit erst am Anfang ihrer Möglichkeiten der nicht konventionellen Geldpolitik und hat klar gemacht, dass Sie die niedrige Inflation mit allen Mitteln bekämpfen wird.

EZB überrascht mit Maßnahmenpaket

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat es mal wieder geschafft, die Marktteilnehmer (und auch uns) zu überraschen. Am Donnerstag, den 04.09.2014, senkte sie überraschend den Leitzins um 0,10 Prozent auf ein neues Rekordtief von 0,05 Prozent. Auch der Einlagenzinssatz, dies war die marktbewegende Größe, wurde um 0,10 Prozent auf minus 0,2 Prozent gesenkt. Damit steigt der Strafzins, den die EZB verlangt, wenn sie Gelder von Geschäftsbanken verwahrt. Der Anreiz für Banken, Gelder in der europäischen Gemeinschaftswährung zu halten, ist damit nochmals gefallen. Die heftigste Reaktion war dementsprechend an den Währungsmärkten zu beobachten. Der Euro fiel gegenüber allen wichtigen Währungen wie ein Stein. Eine Schwächung des Euro ist kurzfristig die schnellste Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen im Euroraum zu steigern und damit die Wirtschaft zu stimulieren.

Auch zu den bevorstehenden Ankaufprogrammen (QE) hat die Notenbank neue Details bekannt gegeben (lesen Sie weitere Hintergründe in unserer letzten Ausgabe YPOS Markets 25 /2014). Das Programm wird im Oktober starten und um von Banken ausgegebene Pfandbriefe erweitert. Die genauen Details werden nach dem Treffen des EZB-Rates am 2. Oktober in der darauffolgenden Pressekonferenz bekannt gegeben. Interessant werden die Größenordnung des Ankaufprogrammes und die Anforderungen der zu erwerbenden Wertpapiere sein. Nach der letzten Sitzung des EZB-Rates ist bereits eine Zahl von 500 Mrd. Euro durchgesickert. Nach Angaben von EZB-Präsident Mario Draghi will die EZB ihre Bilanzsumme in den kommenden Monaten signifikant steigern. Als Ziel wurde die Größe der Bilanz zu Beginn des Jahres 2012 in den Raum gestellt. Demnach ist damit zu rechnen, dass die EZB in den kommenden Monaten bis zu einer Billion Euro in das Finanzsystem injizieren wird (Abb.1).

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Abb.1

Auswirkungen der Geldpolitik

Die Kapitalmarktakteure zeigen sich deutlich beeindruckt. Dem Swap-Markt nach zu urteilen wird den bisher bekannten EZB-Maßnahmen das Potential zugeschrieben, die Inflation zu beleben. Die am Markt gehandelten Inflationserwartungen haben sich nach dem heftigen Verfall wieder deutlich erholt (Abb. 2).

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Abb.2

Auch Bankaktien, die als Frühindikator für Stress im europäischen Finanzsystem geeignet sind, zeigen eine deutliche Reaktion (Abb. 3). Auch profitiert der Bankensektor von den Maßnahmen der EZB durch eine Steigerung der Gewinnaussichten. Das Ankaufprogramm der EZB wird es den Banken ermöglichen, vergebene Kredite an die EZB zu verkaufen. Die regulatorischen Vorschriften für die Vergabe von Krediten sehen vor, dass für Kredite ein Anteil des Eigenkapitals von Banken hinterlegt werden muss. Um das in vielen Banken noch immer knappe Eigenkapital nicht zu sperren, vergeben viele Banken keine Kredite. Mit dem Verkauf der Kredite an die EZB würde das knappe Gut Eigenkapital wieder frei, um neue Kredite zu vergeben. Das Kalkül der EZB sieht dabei nicht vor, die gesamten Kreditrisiken aufzukaufen. Die EZB beabsichtigt, durch ihr Handeln den Markt für verbriefte Kredite wieder zu beleben. Dieser war und ist bis heute schwer gestört bzw. nicht mehr existent. Die Idee der EZB geht daher weiter als „nur“ Geld zu drucken. Es geht darum, den zerbrochenen Transmissionsmechanismus des Geldes wieder zu reparieren.

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Abb.3

Fazit

Wir sehen gute Chancen, dass die Maßnahmen der EZB ihre Ziele erreichen. Als Folge sollte sich die Inflation langsam stabilisieren und dann allmählich wieder steigen. Die Voraussetzungen, damit der Plan der EZB auch aufgeht, sind unterstützende politische Maßnahmenpakete (Strukturreformen und fiskalpolitische Entlastung). Die geopolitischen Risiken könnten dabei jedoch unser Szenario stören und für eine Stagnation der Wirtschaft und der Inflation sorgen. In einem solchen Fall gehen wir davon aus, dass die EZB ihrerseits die Volumina (Steigerung der Bilanzsumme) sowie ihre Werkzeuge (Ankauf von anderen Vermögenswerten z.B. Unternehmens- und oder Staatsanleihen) ausweitet.

Folgen für den Anleger

Die Geldpolitik wird auf absehbare Zeit dafür sorgen, dass die Zinsen auf heutigem Niveau verbleiben. Angesichts der hohen Verschuldung vieler Staaten (Kommunen, Unternehmen und Haushalte) ist es das Ziel der Geldpolitik, die Inflation zu steigern. Nur so können die teilweise monströsen Schuldenberge getragen bzw. abgebaut werden (Finanzrepression).

Angesichts der noch nicht endgültig gelösten Problematik eines soliden Fundamentes für den Euro ist man gut beraten, nicht sein gesamtes Vermögen in Euro zu halten.  

Wer sein Vermögen real erhalten oder vermehren will, kommt an Investitionen am Kapitalmarkt nicht vorbei! 

  • Aktien bieten einen geeigneten Inflationsschutz und sind das einzige liquide Produktivkapital, das für jeden Anleger verfügbar ist. Anleihen bieten aktuell noch eine (wenn auch sehr geringe) laufende Verzinsung mit einem erheblich niedrigeren Verlustpotential als Aktien. Für konservative Anleger, die sich keine großen Wertschwankungen leisten können oder auch wollen, sind Anleihen somit nach wie vor eine Alternative.
  • Andere Anlageformen, wie Edelmetalle und Rohstoffe, bieten keine laufende Rendite, sind jedoch zur als Beimischung und zur Streuung des Vermögens gut geeignet.

Eine Analyse der eigenen Vermögensstruktur, die Kenntnis der eigenen finanziellen Risikobereitschaft und eine handwerklich sauber umgesetzte Anlagestrategie waren, sind und bleiben die richtigen Antworten auf die aktuellen und zukünftigen finanziellen Herausforderungen.

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Über den Autor

Herr Mesch ist seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und Portfoliomanagement verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Anlageausschusses. Vorige Stationen umfassten unter anderem: DWS Investments, Franklin Templeton, DEKA Bank so wie Commerzbank. Herr Mesch hat seinen Abschluss als Diplom Betriebswirt in 2009 an der Fachhochschule Worms erhalten.