Eingestellt am 13. Mai 2014 · Eingestellt in Eurokrisenbarometer

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Das Euro-Krisenbarometer fällt für den Monat Mai aufgrund bevorstehender geldpolitischer Interventionen der Europäischen Notenbank.

Draghi lässt Bombe platzen

In der letzten Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) sah alles danach aus, als würde es abermals nichts Neues von den Hütern der Gemeinschaftswährung geben. Die Zinsen blieben unverändert und auch in der Erklärung der EZB gab es keine Anzeichen für eine veränderte Haltung der Notenbänker. Die Märkte reagierten zunächst enttäuscht, denn offensichtlich hatten viele aufgrund der niedrigen Inflation mit einer Aktion der EZB gerechnet. Der Euro sprang beinahe über die 1,40 USD Marke und die Aktienmärkte fielen merklich. Gut 20 Minuten lief die Pressekonferenz mit EZB Präsident Mario Draghi, als der die Bombe platzen ließ: Seiner Aussage zufolge ist die EZB durchaus offen für Interventionen auf Sicht des nächsten Monats. Die Reaktion der Märkte ließ nur Sekunden auf sich warten und der EURO begann heftig zu fallen.

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Quelle: Reuters Eikon / YPOS

Aller Wahrscheinlichkeit nach wird die EZB den Leitzins sowie die Zinsen für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und die Einlagenfazilität gemeinsam senken. Dies, so die Währungshüter während der Pressekonferenz, würde die bestmögliche Wirkung herbeiführen. Mit diesem Schritt, der nur sehr beschränkt die aktuell herrschende niedrige Inflation beeinflusst, würde man eine erste der möglichen Maßnahmen ergreifen, die der EZB geblieben sind. Als weitere Schritte könnte die EZB direkt verbriefte Kredite aus den Bankbilanzen kaufen, um das stark fragmentierten Finanzsystem zu unterstützen. Diese Maßnahme sehen wir als sinnvollstes Mittel, den nur sehr eingeschränkt funktionsfähigen Transmissionsmechanismus des Zentralbankgeldes in die private Wirtschaft wieder zu revitalisieren. Als letztes Instrument könnte die EZB das OMT Programm umsetzen und direkt Anleihen von Staaten aufkaufen. Doch dies ist unserer Einschätzung nach vorerst nicht zu erwarten.

Der Absichtserklärung müssen nun Taten folgen. Offen bleibt, wieviel ihrer verbliebenen Optionen die EZB bereits im Juni ziehen wird. Doch auch wenn sich die EZB etwas mehr Zeit nimmt, als andere Notenbanken, sind wir davon überzeugt, dass sie, wenn nötig, auch alle verfügbaren Mittel einsetzen wird.

Noch nicht genug!

Die Zinsen für europäische Anleihen sind im letzten Monat erneut stark gefallen. Irland und Spanien zahlen mittlerweile für Anleihen mit 10 Jahre Laufzeit einen Zins von unter 3 Prozent. Die Hauptgründe dieser Entwicklung sehen wir in den Spekulationen bzgl. der kurzfristigen Lockerung der Geldpolitik durch die Zentralbank.

Auch wenn die Entwicklung den Staaten einen erhöhten finanziellen Spielraum gewährt, birgt dies die Gefahr eines nachlassenden Drucks zu Reformen. Die Geldpolitik kann zwar Zeit erkaufen, doch um ein solides Fundament für die Zukunft des Euros zu schaffen, bedarf es umfangreicher Reformen auf europäischer Ebene. Die bisherigen Bemühungen sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, doch längst nicht genug.

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Bedeutung für den Anleger

Es ist davon auszugehen, dass die europäische Zentralbank, falls nötig, früher oder später „all-in“ gehen wird. Die Folge sind Zinsen, die auf absehbare Zeit niedrig bleiben dürften, auch wenn die Inflation sich zu normalisieren beginnt. Alle Anleger, die ihr Vermögen dann auf Konten oder Sparbüchern geparkt haben, werden jedes Jahr automatisch enteignet. Das muss auch so sein, denn die Schuldenproblematik wird sich nicht von alleine beheben. Die Alternative zu dieser versteckten und leisen Entschuldung ist der radikale Schuldenschnitt für einige Schuldner, die ihre Verbindlichkeiten nicht mehr aus eigener Kraft bedienen können. Dies würde das Finanzsystem mit hoher Wahrscheinlichkeit überfordern und ist daher keine Option, die im großen Stil freiwillig gezogen wird.

Es wird zunehmend deutlich, das nicht zu handeln auch seinen Preis hat. Der sehr einseitige Fokus deutscher (privater und institutioneller!) Anleger auf Geldwerte ist daher zu hinterfragen.  Private Anleger sollten die oberflächliche Ruhe nutzen und sich aktiv mit ihren Finanzen auseinandersetzen. Eine handwerkliche saubere Vorgehensweise ist hier sinnvoller als die Diskussion über mögliche Krisenverursacher und politische Szenarien.

Sauberes Handwerk für Ihr Vermögen

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Über den Autor

Herr Mesch ist seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und Portfoliomanagement verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Anlageausschusses. Vorige Stationen umfassten unter anderem: DWS Investments, Franklin Templeton, DEKA Bank so wie Commerzbank. Herr Mesch hat seinen Abschluss als Diplom Betriebswirt in 2009 an der Fachhochschule Worms erhalten.