Eingestellt am 11. Juni 2014 · Eingestellt in Alle Publikationen, Eurokrisenbarometer

Eurokrisenbarometer_Juni

Das Euro Krisenbarometer bleibt stabil in ruhigem Marktumfeld. Nach den erneut sehr niedrig ausgefallenen Inflationsraten im Mai 2014 vollzieht die Europäische Zentralbank einen starken Wandel und öffnet die Türen zum Ankauf von Staatsanleihen nach dem US Vorbild. Dies reduziert das Risiko einer Überschuldung der Eurostaaten und einer deflationären Abwärtsspirale signifikant.

Inflation fällt unerwartet

Im Mai ist die Inflation im Euroraum unerwartet gefallen. Die ersten Daten lassen auf einen Preisanstieg von 0,5 Prozent nach 0,7 Prozent im April schließen. Dabei fielen die Inflationsdaten bedeutend geringer aus, als von Volkswirten prognostiziert. Die anhaltend niedrige Inflation im Euroraum hat die EZB dazu veranlasst, die hauseigenen Inflationsprognosen bis einschließlich 2016 nach unten zu revidieren. Dennoch wäre es stark übertrieben, von einer Deflation zu sprechen. Allerdings birgt eine auf Dauer niedrige Inflation signifikante Risiken für das wirtschaftliche Wachstum und die finanzielle Gesundheit der stark verschuldeten Euro Mitgliedsstaaten.

cpi

EZB ist noch nicht am Ende der Maßnahmenkette

Aufgrund der anhaltend niedrigen Inflation hat sich die Europäische Zentralbank im Juni entschlossen, zu handeln und auch nicht reguläre geldpolitische Maßnahmen einzusetzen. In der Pressekonferenz am Donnerstag, den 05. Juni, gab Mario Draghi eine Kombination aus vier verschiedenen Maßnahmen bekannt: Der Großteil dieser Maßnahmen ist jedoch nur indirekt geeignet, um die Inflation und den Kreditfluss anzukurbeln. Die Maßnahmen steigern in erster Linie die Liquidität im europäischen Finanzsystem und sorgen dafür, dass Banken die nötigen Mittel erhalten. Direkt greift der Ankauf von verbrieften Forderungen (ABS) in den Transmissionsmechanismus ein. Die Käufe sollten dafür sorgen, dass der Markt für verbriefte Kredite nach langer Stagnation wiederbelebt wird. So könnten Banken vergebene Kredite über den Kapitalmarkt weiter verkaufen. Denn das eigentliche Problem hinter der schwachen Kreditvergabe ist das knappe Eigenkapital im Bankensektor. Für Kredite muss eine Bank immer einen gewissen Anteil Eigenkapital zurücklegen, da dies derzeit nicht ausreichend vorhanden ist, wird die Kreditvergabe gehemmt.

Bemerkenswert ist, dass die EZB durch eine weitere Maßnahme die einst liquiditätsneutralen Staatsanleihekäufe (Security Market Program; SMP) zu einem reinrassigen Drucken von Geld gemacht hat. Die Liquidität für den Kauf der Staatsanleihen aus den Jahren 2010 und 2011 (Abb. 2) hat die EZB bis heute über bestimmte Maßnahmen dem Bankensystem wieder entzogen. Diese Sterilisation des SMP wird nun eingestellt uns sorgt für ca. 165 Mrd. EUR zusätzliche Liquidität im Euro Finanzsystem. Das Besondere an dieser Maßnahme ist die Signalwirkung. Die EZB ist demnach bereit, nach amerikanischem oder japanischem Vorbild wenn nötig im großen Rahmen Staatsanleihen zu kaufen. Natürlich nicht ohne Not, denn die Zinsen für Anleihen in der Eurozone sind noch immer im freien Fall, auch ohne Eingreifen der EZB. Es sollte somit keiner daran zweifeln, dass die EZB auch weitere Schritte unternehmen wird, sofern dies nötig wird.

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Folgen für den Anleger

Die Geldpolitik der EZB zielt, wie es auch klar von kommuniziert wird, auf die Sicherung der Preisstabilität ab. In der heutigen Situation bedeutet dies, die Inflation wieder in Richtung des offiziellen Ziels von 2 Prozent zu bewegen. Die Prognosen der EZB für die Inflationsentwicklung sind für 2014 0,7 Prozent, 2015 1,1 Prozent und in 2016 1,4 Prozent. Daher ist es nicht überzogen davon auszugehen, dass für diesen Zeitraum kein Anstieg der Zinsen zu erwarten ist. Vielmehr bestehen signifikante Risiken, welche weitere Eingriffe der EZB möglich machen.

Wenn sich das beschriebene Szenario bewahrheitet, haben Anleger mit einer einseitigen Vermögenskonzentration in Geldwerten wie Kontoguthaben oder auch Lebensversicherungen das Nachsehen. Auch wenn Risiken in anderen Anlagekassen ohne Zweifel ebenfalls vorhanden sind, gebietet es das Prinzip der Diversifikation, in eine ausgewogene Vermögensstruktur auch Vermögenswerte wie beispielsweise Aktien aufzunehmen. Insbesondere dann, wenn man in einem stark überschuldetem System lebt, in dem es nur zwei Wege aus den Schulden gibt:

1. Schulden streichen (Schuldenschnitt)
Dies würde das Finanzsystem höchstwahrscheinlich überfordern und zu einer Schockstarre der Wirtschaft führen. Die Gefahr einer deflationären Abwärtsspirale und einer Depression würde sprunghaft ansteigen. Gesellschaftliche Probleme begünstigten radikale politische Kräfte und gefährden damit das gesamte Gesellschaftssystem und den sozialen Frieden. Die Nachfrage nach Sachwerten (z.B. Aktien) sinkt stark aufgrund der wirtschaftlichen Kontraktion. Inhaber von festverzinslichen Wertpapieren (deren Schuldner noch immer zur Rückzahlung fähig sind) können ihr Vermögen vor Verlusten schützen.

2. Eine Inflation die oberhalb der Schuldzinsen liegt (Reflation)
Ein Abbau der Schulden findet nicht auf ein Mal statt, sondern jedes Jahr um einige Prozent. Sparer und Inhaber von festverzinslichen Anlagen bekommen Probleme, ihre Kaufkraft zu erhalten. Der Ruhestand wird sich in vielen Fällen nicht mit dem angestrebten Lebensstandard verwirklichen lassen oder es muss eine längere Lebensarbeitszeit in Kauf genommen werden. Sachwerte steigen mit der Inflation im Preis und bieten daher einen Schutz vor Kaufkraftverlusten.

Fazit

Beide Szenarien sind throretisch denkbar und sollten daher auch in angemessenem Maß in einer Vermögensstruktur berücksichtigt werden (finanzielle Risikobereitschaft beachten!).  Möglich ist auch eine Kombination beider Maßnahmen, wobei die Eintrittwahrscheinlichkeit der zweiten Möglichkeit aufgrund der geringeren gesellschaftspolitischen Risiken (die „Enteignung“ erfolgt versteckt) als höher einzuschätzen ist.

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Über den Autor

Herr Mesch ist seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und Portfoliomanagement verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Anlageausschusses. Vorige Stationen umfassten unter anderem: DWS Investments, Franklin Templeton, DEKA Bank so wie Commerzbank. Herr Mesch hat seinen Abschluss als Diplom Betriebswirt in 2009 an der Fachhochschule Worms erhalten.