Eingestellt am 4. Februar 2019 · Eingestellt in Alle Publikationen, Allgemein, Markteinschätzung

Die Welt der Sparer und Anleger war früher sehr einfach. Entweder hat der Anleger unmittelbar Bundesanleihen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihe bester Bonität erworben oder der Sparer hat mittelbar davon profitiert, dass die Banken dies taten. Nach Entnahme der Bankmarge wurden dann Zinsen an den Kontoinhaber weitergeleitet.

Aufgrund der absoluten Zinshöhe und einer steigenden Zinsstrukturkurve haben beide Seiten gut davon gelebt.

Staatspleiten, systemische Risiken und Stress im Finanzsystem waren Themen, die deutsche Anleger höchstens aus fernen Ländern kannten. Heute spielen diese Aspekte sehr wohl eine Rolle.

Aber was genau sind denn in diesem Umfeld nun die Charakteristika von „defensiven“ Vermögensklassen?

Definition – Ein Versuch

Bedeutet es…

dass der Vermögenswert kein Schuldversprechen darstellt?
dass es sich um ein Schuldversprechen handelt, dass mit Sachwerten besichert ist?
dass der Preis des Vermögenswertes nicht schwankt?
dass der Preis des Vermögenswertes nicht (sichtbar) schwankt?
dass der Wert langfristig erhalten bleibt?
dass es sich um einen Sachwert handelt?
dass die Höhe der zukünftigen Rendite bereits bei Investition bekannt ist? 

Je nach Erfahrungshintergrund, Fachwissen oder (ganz banal) der eigenen Meinung gibt es hier sehr unterschiedliche Perspektiven. Leider gibt es keine Vermögensklasse oder gar ein investierbares Anlageprodukt, dass alle diese Themen in sich vereint.

Anwendung auf bekannte Vermögensklassen

Schon ein paar stark vereinfachte Beispiele verdeutlichen die Problematik:

Gold: Ist zwar kein Zahlungsversprechen, aber ein Wert ist (in Ermangelung von Zahlungsströmen) nicht zu bestimmen. Auch ist keine Preisstabilität in Abrechnungswährung gegeben.

Staatsanleihe: Hohe Planungssicherheit, keine Besicherung, Kaufkrafterhalt aktuell unmöglich.

Pfandbriefe: Hohe Planungssicherheit, vernünftige Besicherung, aber Renditen unterhalb der Inflation.

Wandelanleihen: Im Normalfall das Beste aus zwei Welten (Anleihe und Aktie), aber schwankt im Preis und zudem vom aktuellen Anlagenotstand bei Anleihen betroffen.     

Vermietete Immobilien: Sachwert, keine sichtbaren Schwankungen, aber stark vom Anlagenotstand betroffen und daher aktuell sehr niedrige Bruttoanfangsrenditen.

Aktien: Sachwert mit historisch höchsten Renditen, aber gleichzeitig brutalen und sichtbaren Schwankungen.   

Von der Theorie zur Praxis

Sachwert vs. Geldwert, Preisstabilität vs. Chance auf Kaufkrafterhalt, Illiquidität vs. Handelbarkeit – Was ist jeweils wichtiger? Und wenn ja in welchem Zeitraum oder welchen Zeitpunkten? 

Offensichtlich ist eine sorgfältige Abwägung innerhalb und zwischen diesen Spannungsfeldern vorzunehmen. Doch genug der Theorie…

Praktische Fragen

Was genau sagt ihre aktuelle Depotstruktur (inkl. Cash) über Ihre Zukunftserwartungen aus und stimmen Status quo und Zukunftserwartung wirklich überein?

Wie sinnvoll ist es ein inhaltlich gute Anlagestrategie im Takt von Schlagzeilen zu hinterfragen?

Wie neutral können wir uns selbst gegenüber bei der Hinterfragung unserer eigenen Meinung sein?

Was also als defensive Vermögensklasse einzuordnen ist, hängt nicht zuletzt von Ihrem persönlichen Risikoprofil und dem anvisierten Anlageziel ab.

Die Zugangsdaten zu einem onlinebasierten Fragebogen zur Ermittlung der finanziellen Risikobereitschaft können Sie per e-mail mit dem Betreff „Risikobereitschaft“ an info@ypos-fp.de anfordern. Die Auswertung steht Ihnen direkt im Anschluss zur Verfügung.

Gerne unterstützen und beraten wir Sie.

Über den Autor

Herr Leichtweiß ist Finanzplaner und Portfoliomanager. Seine Beiträge finden Sie regelmäßig auf unserer Seite.