Eingestellt am 14. Januar 2015 · Eingestellt in Alle Publikationen, Ausgesuchte Tagesnachrichten

Marktentwicklung

Schaut man sich zusätzlich zum Jahresverlauf den langfristigen Chart des Ölpreises an, liegt die Vermutung nahe, dass sich der Ölpreis aus einem langfristigen Korridor nach unten verabschiedet hat. 50% Kursverlust seit Sommer letzten Jahres sind schon eine Hausnummer. Einhergehend damit werden sich unseres Erachtens weitreichendere Folgen einstellen, als nur eine Auswirkung auf den Benzinpreis.

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Wir sehen hier vor allem Auswirkungen auf die Weltkonjunktur (und in der Folge auf geopolitischer Ebene) sowie Beeinträchtigungen auf den Devisenmärkten.

Ausgangspunkt für den dramatischen Kursverfall dürften die sinkenden Nachfragen aufgrund schwächerer Konjunkturen in Asien und Europa als auch verbesserter Effizienzen in der Industrie (verbesserte Technologien bedingen geringeren spezifischen Verbrauch) sein.

Andererseits sehen wir auf der Angebotsseite eine dramatische Verschiebung hin zu Amerika, die kurz davor stehen, zum größten Erdölproduzenten der Welt (Ergebnis der Fracking-Technologie) aufzusteigen.

Offensichtlich wird die bislang historische Konstellation am Ölmarkt -OPEC als produzierende Einheit und die Industriestaaten als konsumierende Fraktion- gerade neu definiert; und der Markt ist gerade dabei diese neue Rollenverteilung, der eines freien Ölmarktes, einzupreisen.

Dabei ist noch völlig offen zu welchem neuen Gleichgewichtspreis dies führt.

Letztendlich könnte dieser Prozess dazu führen,  das dass OPEC-Kartell zerbricht. Unter den gegenwärtigen Bedingungen ist durchaus davon auszugehen, da die Mitgliedsländer sehr unterschiedliche Situationen aufweisen (Finanzen/Staatshaushalt hängen grob zwischen ca. 60-80% an den Öleinnahmen). Da sich einige Länder den festgelegten Fördermengen nicht länger unterwerfen können, um ihre Staatsfinanzen abbilden zu können, bedingt diese eine völlig neue Ordnung des Nahen Ostens (respektive Südamerikas).

Auf der anderen Seite würde dies aber auch einem extremen Stimulus für die Industriestaaten gleichkommen, da hier die Ölimporte einen nicht unerheblichen Teil des BIP`s ausmachen und zudem noch das verfügbare Einkommen der Bevölkerung positiv beeinflussen, was dann wiederum zu einer Ausweitung des Konsums führt.

Die gleiche Entlastung wirkt natürlich auch kostenseitig auf alle Industrien, die Öl weiterverarbeiten bzw. daran gekoppelt sind. Hingegen geraten alle Ölkonzerne erst einmal unter Druck, da hier die Kosten für Förderung und Erschließung natürlich nicht sofort im gleichen Umfang an die fallenden Umsätze angepasst werden können. Hier wird es, ein nachhaltiger niedriger Ölpreis unterstellt, zu einer Bereinigung auf der Angebotsseite kommen.

Sollte sich das vorangestellte Szenario tatsächlich bewahrheiten, geht eine Ära (Ölhype) zu Ende.

Investitionsmöglichkeiten und Besonderheiten

Zuerst ist die Frage zu beantworten, ob in Unternehmen oder in den Rohstoff investiert werden soll. Investoren, die auf eine Erholung des Ölpreises setzen möchten, wird neben Aktien eine breite Auswahl von rohölbezogenen ETCs, Fonds oder ETFs angeboten.

Plant man die Investition in unternehmerische Beteiligungen (über Aktien/Fonds/ETF´s/außerbörsliche Beteiligungsgesellschaften), ist zuerst einmal eine Entscheidung zu treffen, ob man in Energieunternehmen investieren möchte, die ihr Hauptgeschäft der Erschließung und Förderung von Erdöl verdanken oder in Unternehmen, die ihre Umsätze auch bzw. durch Downstream-Aktivitäten (Raffinerie und Vertrieb) generieren (Hintergrund s. oben). Die Aktien der letztgenannten Fraktion reagieren normalerweise nicht so extrem auf sich verändernde Ölpreise, da sie aufgrund ihrer permanenten Einnahmen eine Pufferwirkung innehaben.

Andererseits ist eine Investition in den Rohstoff direkt nicht für jeden Anleger möglich, da nicht jeder in der Lage ist, die für den physischen Erwerb einhergehenden Kosten aus Transport und Lagerung zu tragen.

So gehen jedoch vereinzelt große Ölhändler als auch Energiekonzerne schon wieder dazu über Supertanker zu mieten, um den Rohstoff erst einmal auf hoher See in Erwartung künftig anziehender Preise zu lagern/bunkern. Hierbei kommt ihnen zudem der Umstand zugute, dass die langfristigen Mietverträge der oft älteren Schiffe deutlich unter den jüngsten Durchschnittskosten liegen. So wird laut Informationen zufolge nicht selten lediglich eine Miete von weniger als 40.000 US$ am Tag fällig. Bislang wurden ca. 15 Millionen Barrel an Lagerkapazitäten auf See aufgebaut. Beim letzten Ölpreisverfall in 2009 wurden mehr als 100 Millionen Barrel an Lagerkapazität auf See aufgebaut.

Jeder andere geneigte Investor, der nicht in der Lage ist, die mit der physischen Waren verbundenen Kosten aufzubringen, muss also den Umweg über den Terminmarkt (Futures) gehen. Häufig geschieht dies in Form von Zertifikaten und ETC`s (Inhaberschuldverschreibungen). Auf Fonds und ETF´s kann man nicht zurückgreifen, da diese von Haus aus dem Gebot der Risikostreuung unterliegen.

Was für den Terminmarkt selbst gilt, das gilt natürlich auch für die angeführten Wertpapiere, die eine Anlage in den Rohstoff Öl nachbilden sollen. Deren Preise orientieren sich nie an den Spot-Preisen, sondern immer an den Kursen der sogenannten Futures. Ein Future ist ein standardisierter Vertrag, der genau regelt, zu welchem Preis, zu welchem Zeitpunkt, in welcher Menge und in welcher Qualität der entsprechende Rohstoff geliefert werden muss. Wenn die Laufzeit des Futures endet, ist der Verkäufer verpflichtet, die Ware zu den vereinbarten Konditionen am vereinbarten Ort abzuliefern. Der Käufer wiederum ist verpflichtet die Ware abzunehmen und zu bezahlen.

Für den Kapitalanleger, der nur für einen klar definierten Zeitraum in den jeweiligen Rohstoff investieren will, um von den Preisbewegungen zu profitieren, wäre dies unproblematisch, da er dann lediglich den entsprechenden Terminkontrakt wählen könnte und ihn kurz vor Fälligkeit wieder veräußern würde.

Problematisch oder zumindest kostspielig kann es allerdings werden, wenn man über einen langen oder undefinierten Zeitraum in den besagten Rohstoff investieren möchte. Um dies darzustellen, muss in regelmäßigen Abständen der zur Fälligkeit anstehende Terminkontrakt in einen später fällig werdenden Kontrakt umgeschichtet werden, da ansonsten der Investor von dem einen auf den anderen Tag mehrere Fässer Öl vor der Haustüre stehen hätte. Hier wird also der vor Fälligkeit des Terminkontraktes erzielte Erlös unmittelbar in einen neuen Kontrakt investiert (auch kurz als „Rollen“ bezeichnet), um natürlich auch hier die regelmäßige Andienung des Rohstoffes zu umgehen, aber trotzdem investiert zu bleiben.

Da aber die an den Terminmärkten gehandelten Future-Kontrakte, abhängig von ihrer  jeweiligen Laufzeit, ihren eigenen Preise haben, wird der nächstfällige Future, in den gewechselt werden soll, in den seltensten Fällen genauso viel kosten wie der auslaufende Kontrakt.

Der Erlös, der mit dem Verkauf des alten Futures erzielt wird, wird also entweder geringer („Contango“-Konstellation) oder höher („Backwardation“-Konstellation) ausfallen, als der Betrag, der zum Kauf des neuen Futures benötigt wird.

Der Normalzustand vieler Rohstoff-Kontrakte ist Contango, weil hier die Ware bei einem späteren Liefertermin länger gelagert/versichert werden muss und dies sich somit über eine steigende Terminmarktkurve darstellt (s. auch nachfolgendes Schaubild bzgl. Brent/WTI-Entwicklung).

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Mögliche Gründe für die weitaus seltenere Backwardation-Konstellation können ggf. kurzfristig vorhandene Verknappungen im Angebot sein bzw. die Tatsache, dass aufgrund von zunehmender Förderaktivitäten das Angebot in Zukunft ausgebaut wird.

Durch dieses Umschichten zwischen den verschiedenen Futures kommen die bekannten „Roll-Renditen“ zustande, die der wesentliche Grund für den Unterschied zwischen Spotpreis und der Performance des abbildenden Wertpapiers sind.

Konkret:

Möchte man sich heute ein Wertpapier kaufen, das einen steigenden Brent-Öl-Preis abbildet, so kauft man sich aktuell in eine Contango-Konstellation ein. Das wiederum heißt, die Marktteilnehmer an der Warenterminbörse erwarten, dass der Spot-Preis des Rohstoffs bis zum Auslaufen des neuen Kontraktes steigen wird (s. Abbildung oben).

Somit kauft man sich über das erworbene Wertpapier die Erwartungshaltung des Marktes ein (beispielhaft ein Anstieg über 5% auf den nächsten Monat). Behält der Markt Recht und der Spot-Preis steigt tatsächlich um 5%, dann wird sich der Wert des Wertpapiers per Saldo nicht verändern (ceteris paribus, also Währungsveränderungen einmal außen vorgelassen, da Öl bekanntlich immer in US $ gehandelt wird).

Das wiederum bedeutet für den Investor, das der Spot-Preis bei einem Endlos-Wertpapier bei Auslaufen des jeweiligen Future-Kontraktes höher stehen muss, als dies zuvor vom Markt bei Kauf des Wertpapieres erwartet und somit durch den Terminkurs ausgedrückt und eingepreist worden ist.

Wird die Entwicklung des Spot-Preises diesen Erwartungen nicht gerecht, verbuchen Anleger mit Endlos-Wertpapieren, die in Contango notieren, regelmäßig Verluste.

Sowohl Brent als auch WTI Rohölpreise haben während der letzten Monate stark gelitten und die entsprechenden Future-Kurven sind deutlich steiler geworden (siehe Chart), was auf eine Schwäche im Spotmarkt hindeutet. Mögliche Gründe dafür wurden bereits eingangs genannt. Das lange Ende der Future Kurve ist jedoch deutlich teurer und signalisiert mittelfristig wieder höhere Preiserwartungen.

Zusammengefasst heißt das wiederum, dass es nicht alleine darauf ankommt, ob der Spot-Preis steigt (wenn man auf steigende Kurse setzt), sondern vielmehr natürlich auch darauf, ob er die eingepreisten Markterwartungen, die sich im Future-Kontrakt widerspiegeln, übertreffen kann. Da die Kurve selbst auch Veränderungen unterliegt ist die Umsetzung einer Meinung deutlich komplexer als eine klassische Aktienmarktinvestition.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Erabeitung einer individuellen Anlagestrategie und bei der Auswahl der für Sie passenden Wertpapiere.

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Über den Autor

Herr Leichtweiß ist Finanzplaner und Portfoliomanager. Seine Beiträge finden Sie regelmäßig auf unserer Seite.