Eingestellt am 9. April 2019 · Eingestellt in Alle Publikationen

„Mein Ehemann kennt sich mit Finanzen besser aus“, ist die häufigste Begründung, weshalb sich Frauen nicht mit ihren Finanzen beschäftigen. „Ein Gedanke, der weitreichende negative Folgen haben kann und der im Übrigen auch noch falsch ist“, so Lisa Hassenzahl, CFP und Gründerin HerFamilyOffice.

Arbeitsteilung ja, Ahnungslosigkeit nein

Auch in einer modernen Ehe gibt es in der Regel gewisse Rollenverteilungen, was auch völlig normal und berechtigt ist. Interessen und Fähigkeiten ergänzen sich im Optimalfall, so dass jeder Partner seinen Teil beiträgt.

Problematisch wird es immer dann, wenn ein Partner einen Bereich komplett allein übernimmt und der andere gar nicht weiß, was zu tun ist. Mit einem kleinen Schmunzeln denke ich hierbei an die Situationen, wenn mein Vater die Spülmaschine ausräumen wollte, aber von mindestens 50% des Inhalts nicht wusste, in welchen Schrank dieser gehörte. Umgekehrt gibt es mindestens ebenso viele Beispiele.

Nun stellt ein falsch eingeräumter Suppenteller kein wirkliches Problem dar. Anders sieht es aus, wenn elementare Risiken eintreten – beispielsweise eine Scheidung bevorsteht oder der Ehepartner verstirbt.

Mit diesen Fällen beschäftigt sich eine aktuelle Studie der UBS*. Hierzu befragte die UBS weltweit 3.700 Frauen und die Zahlen machen eines ganz deutlich:

Finanzielle Entscheidungen dürfen nicht allein Männersache sein

Frauen leben statistisch gesehen länger als Männer, das ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Demnach gehen auch 68% der befragten Frauen davon aus, dass ihr Ehepartner vor ihnen sterben wird und ihnen ist daher auch durchaus bewusst, dass sie sich spätestens dann mit dem Thema Finanzen beschäftigen müssen.

Generell sehen 76% das Thema Finanzen, insbesondere in Bezug auf die Ruhestandsplanung, als sehr wichtig an.

Bis zu diesem Punkt ist also alles gut, die Mehrheit der Frauen hat zumindest ein Problembewusstsein, das sie aber leider nicht davon abhält, das Thema Finanzen so weit wie möglich zu ignorieren:

58%der Frauen überlassen langfristige Entscheidungen ihrem Ehemann. In Deutschland sind es sogar 60%

und was mich sehr beunruhigt, bei Frauen zwischen 20 und 34 Jahren sind es stolze 63%

Der im Rahmen der Studie am häufigsten genannte Grund für dieses Verhalten.

„Ich denke, mein Ehepartner weiß mehr über dieses Thema als ich“. Diese Aussage höre ich von Frauen sehr oft und ich kann definitiv sagen, dass sie falsch ist. Aus meinen Beratungsgesprächen weiß ich, dass sich Männer und Frauen gleich schlecht mit Finanzen und allen verbundenen Themen auskennen, was einfach daran liegt, dass die finanzielle Ausbildung in Deutschland schlecht ist. Männer haben in Durchschnitt schlicht und ergreifend weniger Angst, etwas falsch zu machen und überschätzen ihre Kenntnisse auch oft genug. Das ist auch nicht gut, aber immer noch besser, als gar nichts zu tun. 

Interessant ist auch die mit immerhin 68% vertretene Antwort:

Dass Finanzen nicht jedermanns Lieblingsthema ist und der Einstieg mühsam erscheint, kann ich durchaus nachvollziehen. Fakt ist aber, es ist gefährlich, sich gar nicht damit zu beschäftigen und die gesamte Verantwortung dankend an den Ehemann abzugeben. 

Zumal es gerade Frauen nach meiner Erfahrung wirklich Spaß macht, sich mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen, wenn sie eine gute Beraterin haben. Insbesondere die Gewissheit, keine Angst vor Armut im Alter haben zu müssen, ist für Frauen immer ein tolles Erlebnis im Rahmen der Ruhestandsplanung. 

Sie sollten zu den informierten 26% gehören!

Was die Studie zeigt, erlebe auch ich oft: Erst bei Scheidung oder Tod des Ehemannes beschäftigen sich die Frauen gezwungenermaßen mit vermögensrelevanten Themen. In einer emotionalen Ausnahmesituation beginnen sie also mit einem Thema, das ihnen absolut neu ist und nicht selten Angst macht. 

Besonders unangenehm ist es, wenn Witwen versteckte Schulden oder unzureichende Ersparnisse vorfinden.

74% der Frauen erleben unangenehme finanzielle Überraschungen

Das muss nicht sein. Es ist durchaus in Ordnung, wenn sich ein Ehepartner stärker mit dem Thema Finanzen beschäftigt, als der andere, aber beide müssen zwingend ein Grundverständnis der eigenen Finanz- und Vermögenssituation haben.

Je nach Größe des Vermögens ist es absolut wichtig, dass jeder für sich eine Altersvorsorge aufbaut und gerade weil Frauen meist länger leben und häufig weniger verdienen, sollten sie sich eigentlich ganz besonders damit befassen. Bei größeren Vermögen geht es um ebenso wichtige Themen wie Eheverträge oder die Nachfolgeplanung. 

Es ist wichtig und, das werden Sie sehen, ein unglaublich befreiendes Gefühl, die eigenen Finanzen in die Hand zu nehmen. Eine gute Beratung hilft Ihnen, sich zurecht zu finden und nimmt die Angst, Fehler zu machen. 

*UBS Investor Watch, Ausgabe 1/2019

Über den Autor

Lisa Hassenzahl ist Geschäftsführerin der YPOS Finanzplanung GmbH und Gründerin des ersten Family Offices für Frauen, Her Family Office. Bereits seit 2015 ist sie Certified Financial Planner und bietet eine Beratung, die Fragen der Kapitalanlage und der Vermögensstrukturierung mit rechtlichen sowie steuerlichen Aspekten verknüpft.