Eingestellt am 17. März 2017 · Eingestellt in Alle Publikationen, Markteinschätzung

Die Inflationsraten steigen und die Zinsen sind weiter niedrig. Hieraus ergibt sich für viele Anleger ein großes Problem: Die negativen Realzinsen sorgen für einen Verlust der Kaufkraft! Die vermeintliche Lösung dieses Problems erscheint daher die Investition in den Aktienmarkt. Denn der steigende Preis am Aktienmarkt kann die fehlenden Zinsen ersetzen, so zumindest die sehr vereinfachte Vorstellung vieler Anleger. Hinzu kommt, dass die bereits länger anhaltenden positiven Aktienmarktentwicklungen die Risikowahrnehmung beeinflussen und einige Anleger das Schwankungspotenzial derzeit deutlich unterschätzen. In der Konsequenz sorgt das aktuelle Umfeld aus niedrigen Zinsen, einer steigenden Inflation und Rekordständen an den Aktienmärkten dafür, dass immer mehr defensive Anleger in den Aktienmarkt gedrängt werden. Oftmals wissen diese jedoch nicht genau, auf was sie sich einlassen und welche finanziellen und emotionalen Risiken ein Investment in den Aktienmarkt mit sich bringt.

Der nachfolgende Beitrag soll daher einige grundlegende Funktionsweisen des Aktienmarktes aufzeigen. Dies soll Anlegern, die vielleicht gerade darüber nachdenken, in den Aktienmarkt zu investieren oder ihre Aktienquote zu erhöhen, ein besseres Verständnis vermitteln.

Wie sieht der Aktienmarkt aus?

Zu Beginn wollen wir kurz klären, was im professionellen Sinne unter dem Aktienmarkt gemeint ist. Gemessen an der Marktkapitalisierung ergibt sich eine regionale Verteilung des globalen Aktienmarktes gemäß der nachfolgenden Grafik. Diese Verteilung sollte man bei Investitionsentscheidungen im Hinterkopf behalten. Der deutsche Aktienmarkt macht nur 3 Prozent des globalen Aktienmarktes aus. Der vielbeachtete Leitindex Dax30 ist wiederum nur ein Teil dieses Bruchteils. Trotzdem finden sich in deutschen Depots oft genug nur Aktien aus dem DAX30 – und dann noch nicht einmal der gesamte Index, was also eine noch geringere Streuung bedeutet. Eine Investition in einige wenige Aktien ist eher eine Spekulationen, als eine Investition.

Quelle: Dimensional Fund Advisors

Aktienquote als Treiber von Rendite und Risiko

Historisch kann man aus langfristigen Aktieninvestments eine durchschnittlich höhere Rendite als bei Anleihen erwarten. Dies ist die sogenannte Risikoprämie, die der Aktienmarkt langfristig bietet. Dabei ist man jedoch Preisschwankungen ausgesetzt, die es in sich haben. Da es nur wenige Anleger emotional verkraften, wenn ihr gesamtes Depotvermögen im Verlauf einer Börsenkrise um 20 Prozent, 30 Prozent oder sogar 40 Prozent fällt, werden für Anleger mit geringerer Risikotoleranz kurzlaufende Anleihen in das Portfolio beigemischt. Die Anleihen haben in der Vergangenheit eine stabilisierende Wirkung auf die Entwicklung des Depotwertes gehabt. In der unteren Grafik ist die Entwicklung verschiedener Portfolien mit unterschiedlich hohen Aktienquoten zu sehen.

Wertentwicklung

Hypothetisches Wachstum von 1€ von Jan. 1970 bis Feb. 2017 / A=globale Aktien (MSCI World EUR)  R= Renten (Euro Short Term Rate). Ohne Berücksichtigung von Kosten und Steuern. Indices sind nicht direkt investierbar. Wertentwicklungen in der Vergangenheit stellen keine Garantie für die Zukunft dar.

Quelle: Dimensional Fund Advisors / Returns 2.0 / Darstellung zu illustrativen Zwecken

Es ist klar erkennbar, dass der Anteil von Aktien der wesentliche Faktor für die Entwicklung darstellt. Je höher die Aktienquote, desto höher das Endvermögen. Gleiches gilt für die Schwankungen und die zwischenzeitlichen Kursrückgänge.

Historische Bandbreiten der Wertentwicklung

Die durchschnittlichen Renditen, bei einer langfristigen Investition in Aktien, waren in den letzten knapp 40 Jahren sehr attraktiv. Doch dabei ist das entscheidende Schlagwort „langfristig“. In der folgenden Grafik sind die Bandbreiten von möglichen Jahresrenditen grafisch dargestellt. Eines ist deutlich erkennbar: Je mehr Aktien im Depot enthalten sind, desto weiter sind die Extremwerte voneinander entfernt. Die statistische Auswertung verdeutlicht dies sehr anschaulich. Im besten Jahr konnte man mit dem Depot, bestehend aus 100 Prozent Aktien, 44,67 Prozent gewinnen. Hatte man jedoch mit dem Timing gerade Pech und investierte zu einem ungünstigen Zeitpunkt, betrug der Jahresverlust minus 36,25 Prozent.

Fokussiert man auf die durchschnittliche (eng. Average, roter Querstrich im Balken) Wertentwicklung, stellt man fest, dass alle Depots eine positive Wertentwicklung aufweisen. Nochmal, das entscheidende Schlagwort in diesem Zusammenhang lautet: Langfristig!

Bandbreiten möglicher Renditen

Extremwerte und Durchschnitte  für die Wertentwicklung innerhalb eines Jahres von Jan. 1970 bis Feb. 2017 / A=globale Aktien (MSCI World EUR)  R= Renten (Euro Short Term Rate). Ohne Berücksichtigung von Kosten und Steuern. Indices sind nicht direkt investierbar. Wertentwicklungen in der Vergangenheit stellen keine Garantie für die Zukunft dar.

Quelle: Dimensional Fund Advisors / Returns 2.0 / Darstellung zu illustrativen Zwecken

Fazit

Aktien gehören in fast jede Vermögensstruktur! Eine steigende Inflation in Kombination mit einer anhaltenden finanziellen Repression würden Aktien als Anlageklasse begünstigen. Auf diese Weise erscheint es möglich, einen realen Vermögenserhalt zu gewährleisten. Besonders bei einem langen Anlagehorizont bestehen gute Chancen auf eine positive Entwicklung. Zudem verzichten Anleger heute nur auf sehr geringe Zinsen, wenn sie in Aktien investieren. Auf der anderen Seiten sind Aktien heute nicht mehr so günstig wie in den ersten Jahren nach der Finanzkrise. Daher kann es zum Beispiel sinnvoll sein schrittweise in die Märkte zu investieren. Sachlich kann dies bei konstant steigenden Kursen ein Nachteil sein, aber emotional fällt es oft leichter, als sich mit der geplanten Summe an einem Termin in den Markt zu begeben.

Zudem ist ein professionell strukturiertes Aktienportfolio deutlich breiter gestreut, als das gezeigte Beispiel. Auch ein diszipliniertes Rebalancing ist dazu geeignet, die gezeigten Kennzahlen zu verbessern und mit den aktuellen Herausforderungen umzugehen.

Mit einer umfassenden und individuellen Anlagestrategie, die auch ihre finanzielle Risikobereitschaft einbezieht, kann für jeden Anleger die passende Aktien Anlage gefunden werden. Gerne ermitteln wir Ihre finanzielle Risikobereitschaft auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. Senden Sie uns hierzu eine e-mail mit dem Betreff „Risikobereitschaft“ an die info@ypos-fp.de.

Professionelle Anlagestrategie wichtig wie nie

Insbesondere in einem so herausfordernden Marktumfeld wie dem Aktuellen ist eine professionelle Anlagestrategie elementar. Neben der Einbeziehung Ihrer finanziellen Ziele sowie der aktuellen Vermögensstruktur spielt insbesondere die finanzielle Risikobereitschaft eine wichtige Rolle. Gerne informieren wir Sie in einem kostenlosen Erstgespräch über unser umfangreiches Beratungsangebot.
Ihre Ansprechpartnerin: Lisa Hassenzahl

Ihre Ansprechpartnerin: Lisa Hassenzahl, Certified Financial Planner

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YPOS Kapitalmarkt-Dialog am 11.04.2017

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Über den Autor

Herr Mesch ist seit Januar 2012 für den Bereich Kapitalmarktanalyse und Portfoliomanagement verantwortlich. Außerdem ist er Mitglied des Anlageausschusses. Vorige Stationen umfassten unter anderem: DWS Investments, Franklin Templeton, DEKA Bank so wie Commerzbank. Herr Mesch hat seinen Abschluss als Diplom Betriebswirt in 2009 an der Fachhochschule Worms erhalten.